Fachbereich Musik

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Gerhard Stamm, Dozent für Musikdidaktik

Zum Liederrepertoire an Schaffhauser Primarschulen

Der Schaffhauser Lehrplan deklariert in aller Klarheit: „Das praktische Musizieren steht im Zentrum jeder Musiklektion.“ Praktisches Musizieren heisst in der konkreten Umsetzung vor allem das Singen von Kinder- und Volksliedern. Während noch vor einer Generation ein klar umrissenes Repertoire an Schulliedern die Regel war, hat sich dieser Bereich heute stark aufgefächert. Die PHSH Studentin Rahel Hedinger hat in ihrer Vertiefungsarbeit[1] solche Entwicklungen in einer breit angelegten Untersuchung dokumentiert.  

Die fragebogenbasierte Untersuchung startete mit einem Probelauf im Juni 2009. Nach der Optimierung der Fragestellungen wurde die eigentliche Umfrage nach den Herbstferien 2009 an 30 Primarschulhäusern im Kanton Schaffhausen durchgeführt. Von 318 (100%) in Umlauf gebrachten Fragebögen konnten 126 (knapp 40%) ausgewertet werden. Dabei waren alle Klassenstufen relativ gut vertreten. Aus den sechs Fragestellungen der Umfrage werden im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse dargestellt und von der Studentin kommentiert:  

Frage 1
Welche Lieder singen Sie zurzeit am häufigsten mit Ihrer Klasse? Maximal konnten die Lehrpersonen 10 Lieder angeben.   

Liederliste der Unterstufe

Nennungen:

Liedtitel:

Singbuch:

14 / 1

S'Näbeltuech

Sing mit, S. 115

10 / 1

Hui, blast de Herbschtwind

Zimetschtern han i gern, A. Bond

9 / 1

Guete Morge, good morning

Sing mit, S. 40

7 / 2

Bisch du glücklich / If you’re happy

Sing mit, S. 72 / Duett, S. 130

6

Alle Kinder lernen lesen

Duett, S. 22

6 / 1

Aram sam sam

Sing mit, S. 149

6 / 2

Kopf und Schulter / Head and shoulders

Duett, S. 126

6

Ich habe Hände, sogar zwei

Sing mit, S. 16

6

Mein Hut, der hat 3 Ecken

Sing mit, S. 97

6

Wenn üs am Morge

Sing mit, S. 114

6

Dä Töff vom Polizischt

Sing mit, S. 94

5 / 1

Abe, zäme, rächts

Sing mit, S. 82

5 / 1

Hab 'ne Tante in Marokko

Sing mit, S.146

4 / 2

Das rote Pferd

Duett, S. 120

 


[1] Rahel Hedinger (2010): Singen in der Primarschule. Eine Untersuchung des Liederrepertoires an den Schaffhauser Primarschulen. Vertiefungsarbeit an der PHSH im Fachbereich Musik. Als Typoskript im Didaktischen Zentrum vorhanden.

Liederliste der Mittelstufe

Nennungen:

Liedtitel:

Singbuch:

13

Heute hier, morgen dort

Sing ais, Nr. 80

12

Bloss ä chlini Stadt

D. Wiesmann

10

Salut ça va

Sing ais, Nr. 40, Envol 5

9

dr sidi abdel assar

Sing ais, Nr. 115

9

Halt das Känguru fest, boy

Sing ais; Nr. 106

9

Lollipop

Sing ais, Nr. 30

9

Über den Wolken

Sing ais, Nr. 158

8

Diese Haus ist alt und hässlich

-

8 / 1

We are the world

Sing ais, Nr. 13

7 / 1

Der Löwe schläft heut' Nacht

Sing ais, Nr. 108

7

Der Papagei ein Vogel ist

Sing ais, Nr. 104

7/ 1

Tschau, tschau Swizzera

Sing ais, Nr. 96

6

Kiosk

Sing ais, Nr. 10

6

S'Zündhölzli

M. Matter

6

Dr Alpeflug

Sing ais, Nr. 160

5 / 2

Miaou, miaou

Sing ais, Nr. 107

5 / 1

Dracula-Rock

Duett, S. 85

4 / 3

Hoi alli zämä

Sing mit, S. 162

4 / 3

Jepo i tai tai

Sing ais, Nr. 125

4 / 2

Bunt sind schon die Wälder

Sing ais, Nr. 61

Es ist erstaunlich, dass kein Lied mehr als 15 Mal genannt wurde. Absolute Spitzenreiter gibt es somit nicht. Die Auswahl an Liedern ist offensichtlich enorm, deshalb sind auch die Liedersammlungen der einzelnen Lehrpersonen sehr unterschiedlich. Eine wichtige Rolle spielt – vor allem auf der Unterstufe - der Zeitpunkt der Erhebung (Jahreszeitenlieder „Herbst“). Es fällt auf, dass die meisten Lieder in den beiden obligatorischen Singbüchern für die Unterstufe oder Mittelstufe zu finden sind – die Akzeptanz bezüglich der Lehrmittel scheint sehr gut zu sein. In der Unterstufe dominieren Bewegungslieder, in der Mittelstufe Lieder zu Heimat und fremden Ländern. Stark vertreten sind Spasslieder mit geringem textlichen Anspruch.

Frage 2
Neben den Liedtiteln in Frage 1 gaben die Lehrpersonen an, wie die Lieder begleitet werden. Zur Auswahl standen „Bewegung“, „Ohne Begleitung“, „Playback“ und „Instrumental“. Pro Lied konnten mehrere Begleitarten angekreuzt werden.

 

Lieder total:

Bewegung:

Ohne:

Playback:

Instrumental:

 

 

 

 

 

 

Unterstufe:

495

220

91

80

241

 

100%

44.44%

18.38%

16.16%

48.68%

 

 

 

 

 

 

Mittelstufe:

512

78

66

165

294

 

100%

15.23%

12.89%

32.23%

57.42%

Aus dem Vergleich geht hervor, dass sich die Art der Liedbegleitung von der Unter- zur Mittelstufe verändert. Das liegt wohl daran, dass es in der Unterstufe noch einfacher ist, ohne Begleitung mit den Kindern zu singen. Die Lieder sind weniger anspruchsvoll, die Singhemmungen gering und in Verbindung mit Bewegungen kann das Instrument teilweise eher hinderlich sein. In der Mittelstufe werden die Lieder hauptsächlich instrumental oder mit Playback-Musik begleitet. Die musikalische Begleitung gewinnt somit an Bedeutung.

Frage 3
Mit welchen Instrumenten begleiten die Lehrpersonen die Lieder? „Geringer Einsatz“ heisst, dass weniger als die Hälfte der in der Liste angegeben Lieder instrumental begleitet werden.

Instrumentalbegleitung Unterstufe:

Instrumente:

Anzahl:

Grosser Einsatz:

Geringer Einsatz:

Klavier/Keyboard

19

13

6

Gitarre

12

7

5

Flöte/Querflöte

6

0

6

Gitarre und Klavier/Keyboard

5

4

1

Akkordeon

1

1

 

Kombinationen

8

4

4

Keines

8

-

-

TOTAL:

59

29

22

Instrumentalbegleitung Mittelstufe:

Instrumente:

Anzahl:

Grosser Einsatz:

Geringer Einsatz:

Unklar:

Gitarre

20

15

5

 

Klavier/Keyboard

17

8

7

2

Gitarre und Klavier

10

9

1

 

Kombinationen

7

5

2

 

Keines

9

-

-

 

TOTAL:

63

37

15

2

Sowohl in der Unter- wie in der Mittelstufe werden die Lieder hauptsächlich mit dem Klavier/Keyboard oder mit der Gitarre begleitet. Andere Instrumente wie Akkordeon, Flöten und auch Orff-Instrumente sind selten. In der Unterstufe setzt knapp die Hälfte (49%) aller Lehrpersonen ihr Instrument häufig zur Liedbegleitung im Unterricht ein. In der Mittelstufe sind es knapp drei Fünftel (59%). Zu den Übrigen gehören auch alle Lehrpersonen, die kein Instrument spielen. Zu ihnen zählt ca. jede siebte der befragten Unter- und Mittelstufenlehrperson.

Frage 4
Wo im Unterrichtsgeschehen wird das Singen von Liedern eingesetzt? Zur Auswahl standen „Musiklektion“, „Ritual“, „Rhythmisierendes Element“, „Lückenfüller“ und „Lernmedium“. Die Lehrpersonen kreuzten alles Zutreffende an und ergänzten die Liste teilweise mit eigenen Ideen.

In der Unterstufe gaben praktisch alle Lehrpersonen an, dass sie das Singen als Ritual in ihrem Unterricht verwenden. Eine beachtliche Mehrheit setzt das Singen als rhythmisierendes Element ein und benutzt die Musiklektionen zum Singen und Musizieren. Für gut die Hälfte aller beteiligten Unterstufenlehrpersonen ist das Singen ein Lückenfüller und nur knapp die Hälfte setzt das Singen als Lernmedium ein.

In der Mittelstufe singen die meisten Lehrpersonen in der Musiklektion. Eine beachtliche Mehrheit setzt das Singen als Lernmedium im Unterricht ein. Ungefähr zwei Drittel verwenden das Singen als Ritual und rhythmisierendes Element und für die Hälfte aller Beteiligten ist Singen eher Lückenfüller.

Aus den Resultaten geht hervor, dass das Singen vielfältig im Unterricht eingesetzt wird. In der Unterstufe ist es vor allem ein wichtiges Element für die Strukturierung des Unterrichts und wird deshalb häufig fächerübergreifend in den Unterricht integriert. In der Mittelstufe hingegen wird hauptsächlich in der Musiklektion gesungen, oder die Lieder dienen als Lernmedium im Sprach- und Sachunterricht.

Übrigens hängt die Verwendung der Lieder im Unterricht stark mit der Liederart zusammen. Es erstaunt deshalb nicht, dass in der Unterstufe viele Tages-, Jahreszeiten- und Bewegungslieder in der Hitliste zu finden sind, in der Mittelstufe dagegen fremdsprachige Lieder oder Lieder mit einem thematischen Bezug.

Weitere Fragestellungen der Arbeit beziehen sich auf eine Selbsteinschätzung betreffend „Stellenwert der Musik“ im Unterrichtsalltag, auf klassenübergreifende Singprojekte und Wünsche in Bezug auf den Musik- und Singunterricht. Erstaunlich ist hier die Vielfalt an musikalischen Schulhausprojekten. Solche Grossprojekte spielen offensichtlich eine wichtige Rolle auch als Stimulus für das Singen in der Klasse. Mehrfach gewünscht werden Begleitideen zu Liedern, geeignetes Unterrichtsmaterial zur Musiktheorie und hochdeutsche Versionen von beliebten schweizerdeutschen Kinderliedern.

(stark gekürzter Auszug aus der Diplomarbeit)

Rahel Hedinger, Diplomandin an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen