Amnesty International
Porträt Briefmarathon 2008

In der Woche um den 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, wird sich die Schweizer Sektion von Amnesty International bereits zum vierten Mal am weltweiten Briefmarathon beteiligen. Erneut werden Menschen auf der ganzen Welt gleichzeitig Zehntausende von Briefen zugunsten von Personen schreiben, die als Gewissensgefangene inhaftiert sind, die gefoltert und misshandelt werden oder die sich aufgrund ihres friedlichen Engagements für die Menschenrechte anderweitig in Gefahr befinden. 2008 fällt der Briefmarathon auf den 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
Eine Idee, ….
Am 10. Dezember 2001 führte eine Lokalgruppe der polnischen Sektion von Amnesty International in Warschau einen Briefmarathon durch. Die Teilnehmenden trafen sich während 24 Stunden, schrieben 1000 Briefe zugunsten ausgewählter Gewissensgefangener und schickten sie an die Regierungen der betreffenden Länder. Die Aktion war ein grosser Erfolg. Zwei Jahre später wurde die Idee von Amnesty-Sektionen in der ganzen Welt aufgenommen. In den letzten beiden Jahren beteiligten sich Menschen in über 40 Ländern - von Armenien bis Zimbabwe - am Briefmarathon und schrieben innerhalb einer Woche über 150'000 Briefe. 40'000 davon stammten aus der Schweiz.
…. ihre Ziele….
Ziel des Briefmarathons ist es, in der Woche des Internationalen Tages der Menschenrechte (10. Dezember) weltweit möglichst viele Menschen dafür zu gewinnen, Briefe zu schreiben – Briefe an diejenigen Regierungen, welche verantwortlich sind für die unrechtmässige Inhaftierung, die Folter und Misshandlung oder eine sonstige Gefährdung von Personen, die sich friedlich für ihre Überzeugungen und/oder die Gewährleistung der Menschenrechte in ihrem Land eingesetzt haben. Deren Schicksal gewinnt dadurch eine gewisse Öffentlichkeit, und der Druck auf die Regierungen steigt. Die Briefe sind gleichzeitig für die Betroffenen und ihre Angehörigen auch ein Zeichen der Solidarität, ein Signal gegen das Vergessen. Amnesty kann für die Einrichtung von Standaktionen und Schreibstuben auf die Unterstützung zahlreicher Schulklassen, Jugendgruppen und Kirchgemeinden zählen und sucht auch die Zusammenarbeit mit privaten PartnerInnen.
…. und ihr Erfolg.
Vaclav Havel, ehemaliger Dissident und Gewissensgefangener und später tschechischer Präsident: „Mein Fall belegt, dass diese Form der Aktion Sinn macht und Erfolg bringt.“ Briefaktionen führen zwar nicht immer zum Erfolg, aber doch öfter, als man vielleicht meinen möchte: Im Jahr 2006 wurden von der Schweiz aus Briefe für acht ausgewählte MenschenrechtsverteidigerInnen geschrieben - in vier Fällen führte der Briefmarathon dabei zum Erfolg: Die äthiopische Journalistin Serkalem Fasil und Magdalena García Durán, Vorkämpferin für die Rechte der indigenen Bevölkerung Mexikos wurden aus dem Gefängnis entlassen, die Anklagen gegen Amine Sidhoum und Hassiba Boumerdesi, einen Anwalt und eine Menschenrechtsverteidigerin aus Algerien, aufgehoben. Ende Mai 2008 entliess das usbekische Regime die Menschenrechtsverteidigerin Mutabar Tadzhibaeva vorzeitig aus der Haft. Sie war 2005 aufgrund ihrer offenen Äusserungen zum Massaker von Andischan verhaftet worden. Amnesty lancierte auch für sie weltweite Briefaktionen.
Deshalb: 2008 zum vierten Mal ein Briefmarathon auch in der Schweiz
Auch in diesem Jahr hat sich die Schweizer AI-Sektion zum Ziel gesetzt, dass wieder Zehntausende von Briefen von der Schweiz aus verschickt werden zu Gunsten ausgewählter Gewissensgefangener und MenschenrechtsverteidigerInnen. Damit wollen wir
zwischen 1. und 12. Dezember mit Unterstützung der Schweizer Bevölkerung wieder aktiv ganz konkrete Menschenrechtsarbeit leisten. Ein Brief ist in wenigen Minuten geschrieben und kann konkrete positive Auswirkungen haben. Je mehr Menschen sich
an den Briefaktionen beteiligen, desto grösser sind die Erfolgsaussichten. Die Schreibenden sind dabei Teil einer breit angelegten, weltweiten Aktion. In diesem Jahr ist der Briefmarathon als Aktion gegen die Verletzung grundlegender
Menschenrechte ganz besonders wichtig: Am 10. Dezember 2008 sind es genau 60 Jahre, seit in der UNO-Vollversammlung die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ unterzeichnet wurde. Die Erklärung statuiert etwa das Recht auf die freie
Meinungsäusserung und das Folterverbot. Sie bildet damit ein wesentliches Fundament des demokratischen Rechtsstaates.
Am Briefmarathon können sich ausnahmslos alle beteiligen. Die ausgewählten Einzelfälle mit detaillierten Informationen und Musterbriefen werden ab ca. Oktober 2008 auf unserer Website unter www.amnesty.ch/briefmarathon zu finden sein. Zahlreiche Amnesty-Gruppen werden Passantinnen und Passanten mit öffentlichen Aktionen und Schreibtischen auf Strassen, in Bahnhöfen und Kaufhäusern zum Mitmachen auffordern. Schulklassen, Jugendgruppen und Kirchgemeinden richten Schreibtische und Schreibstuben ein. Detaillierte und laufend aktualisierte Informationen hierzu werden ab ca. November 2008 ebenfalls unter www.amnesty.ch/briefmarathon verfügbar sein.




