Bildungsforschung SKBF

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Klassenführung / Regeln und Klassenmanagement

Überprüfen einer Typologie der Klassenführung

Institution:

Stelle für Forschung und Entwicklung, Lehrerinnen- und Lehrerbildung, Kanton und Universität Bern

Bearbeitung:

Markus P. Neuenschwander (mittlerweile an der Universität Zürich, Jacobs Center for Productive Youth Development, Zürich)

Kurzbeschreibung:

Das Lehrerverhalten bei der Steuerung des Unterrichts bezieht sich auf zwei Ebenen gleichzeitig: zum einen auf die soziale und zum anderen auf jene der Unterrichtsinhalte. Um die soziale Ordnung im Unterricht zu erhalten, führen Lehrpersonen Regeln ein, von denen sie aber im Bedarfsfall auch wieder flexibel abweichen können. Aus diesen zwei Dimensionen lassen sich vier Typen der Klassenführung ableiten. Typ 1: der souveräne Typ, der Regeln setzt, ohne sich in der Folge allzu stur an sie zu klammern; Typ 2: regelfixiert, mit geringer Fähigkeit zu ihrer geschmeidigen Handhabung; Typ 3: was zählt, ist die soziale Beziehung; die Regeln hingegen sind kaum wichtig; Typ 4: die desorganisierte Klassenführung, bei der weder Regeln zählen noch die Abweichung davon. Der Autor der hier vorgestellten Arbeit hat es im Kanton Bern anhand einer Fragebogenuntersuchung bei 183 Lehrpersonen und 454 Schülerinnen und Schülern des 6. Schuljahrs unternommen, diese Typologie zu überprüfen. Die Ergebnisse führen ihn unter anderem zur Schlussfolgerung, die souveräne Klassenführung verlange der Lehrperson am meisten ab; andererseits sei sie aber auch die Form, bei der sich am meisten Lernerfolg einstelle und die auch zur positivsten Einschätzung des Lehrers bei den Schülerinnen und Schülern führe.

Veröffentlichungen:

Neuenschwander, Markus P. (2006). Überprüfung einer Typologie der Klassenführung. In: Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften, Heft 2, 2006, S, 243–258

 

 

 

Inhalte von Regeln und Klassenmanagement

 

Institution:

Universität Bern, Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung für Pädagogische Psychologie

Bearbeitung:

Marie-Theres Schönbächler, lic. phil. hist., wissenschaftliche Assistentin; Betreuung der Dissertation: Walter Herzog, Prof. Dr.

Kurzbeschreibung:

Trotz der vielfach belegten Relevanz von Classroom Management für das Gelingen von Unterricht liegen im deutschsprachigen Raum kaum Untersuchungen vor, welche das Klassenmanagement ins Zentrum ihres Interesses stellen. Die Studie «Klassenmanagement auf der Primarstufe» will hier einen Beitrag leisten, indem sie drei Hauptziele verfolgte: Sie wollte erstens das Klassenmanagement nicht nur in Einzelaspekten, sondern in einer umfassenden Weise erheben, die auch das Verhältnis einzelner Komponenten von Klassenmanagement zueinander aufdeckt, zweitens Zusammenhänge zwischen Klassenmanagement und der Unterrichtssituation – insbesondere auch mit Selbstwirksamkeitsüberzeugungen der Lehrperson – enthüllen, und drittens die Klassenmanagementwahrnehmung der Lehrpersonen mit derjenigen der Schülerinnen und Schüler vergleichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass zum einen Klassenmanagement ein Konglomerat aus verschiedenen Komponenten wie beispielsweise «Kontrolle», «Unterrichtsgestaltung», «Schülerorientierung», «Unterrichtsfluss», «Regeleinhaltung», «Materialorganisation» und «Schülerpartizipation» ist, und dass zum anderen generell eine positive Beurteilung des Klassenmanagement vorliegt – und zwar aus der Sicht der Lehrkräfte wie auch aus jener der Schülerinnen und Schüler. Die Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und der Persönlichkeitstyp in Bezug auf Expressivität und Instrumentalität der Lehrperson erwiesen sich als die relevantesten Lehrpersonenmerkmale zur Erklärung des Klassenmanagements. Bei den Schülerdaten deckten mehrebenenanalytische Prüfungen auf, dass ein hoher Anteil der Varianz durch die Klassenzugehörigkeit erklärt werden kann. Dies unterstreicht die Bedeutsamkeit, die den Merkmalen der Klasse und des Klassenkontextes für die Ausgestaltung des Klassenmanagements zukommt. Der (gepaarte) Vergleich der Einschätzungen von Lehrkräften und ihren Schülerinnen und Schülern offenbarte neben der generellen guten Übereinstimmung einige interessante Abweichungen. So stimmt die Beurteilung des Störausmasses hochsignifikant überein, doch die Analyse der Frage, womit diese Einschätzung zusammenhängt, deckte grosse Abweichungen zwischen Lehrpersonen- und Schülersicht auf: Aufgrund der Lehrerdaten lässt sich die Störhäufigkeit in erster Linie durch die Klassenzusammensetzung – insbesondere die Anzahl auffälliger Schülerinnen bzw. Schüler – sowie durch Unterrichtsfluss und Kontrolle erklären; in den Schülerdaten erweisen sich vor allem die Beziehung zur Lehrperson und im weiteren Unterrichtsgestaltung, Zeitmanagement und die Klassenbeziehung als relevante Prädiktoren.

Veröffentlichungen:

Schönbächler, Marie-Theres (2006). Inhalte von Regeln und Klassenmanagement. Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften, 28 (2), S. 259–273

Schönbächler, Marie-Theres (2005). Klassenmanagement auf der Primarstufe. Dokumentation zur Datenerhebung bei den Lehrpersonen und bei den Schülerinnen und Schülern. Bern: Universität Bern, Institut für Pädagogik und Schulpädagogik, Abteilung Pädagogische Psychologie (Forschungsbericht Nr. 32)

Schönbächler, Marie-Theres (2005). Resultate zum Fragebogen «Klassenmanagement auf der Primarstufe». [PDF]. Verfügbar unter: http://www.edu.unibe.ch/content/app/forschung/e1256/e1257/e1265/e1266

 [Bern, April 2005]

Die Veröffentlichung der Dissertation ist für 2007 vorgesehen.