Bildungsforschung SKBF

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Zufälligkeit des Bildungserfolgs

Von der systematischen Zufälligkeit des Bildungserfolgs: Zusammenhänge zwischen Klassenkontext und individueller Bildungslaufbahn

Institution:

Universität Freiburg, Heilpädagogisches Institut, Petrus-Kanisius-Gasse 21, 1700 Freiburg, Tel. 026 300 77 00, http://www.unifr.ch/spedu/

 

Bearbeitung: Winfried Kronig, Prof. Dr. phil.

 

Kurzbeschreibung:

In dieser vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung finanzierten Studie interessierten die Mischung und das relative Gewicht der unterschiedlichen Faktoren, welche gemeinsam für den Schulerfolg entscheidend sind. Einer der Hauptanlässe für die Untersuchung war die in früheren, verschiedene Formen von Beschulung vergleichenden Studien gemachte Beobachtung, dass zwischen Schulklassen der gleichen Altersstufe immer wieder unerwartet grosse Unterschiede im Leistungsstand und in der Lernentwicklung auftreten. In welchem Mass, so stellte sich nun die Frage, ist der schulische Erfolg (oder Misserfolg) eine Folge von Dingen, welche auf individuelle Eigenschaften oder Handlungsweise des Schülers, der Schülerin zurückzuführen sind, wie beispielsweise Begabung und Leistungswille? Oder sind es eher kontingente Faktoren, die ihn scheitern oder auch Erfolg haben lassen, wie etwa die zufällige Zusammensetzung der Klasse, mit der er dem Unterricht folgt? Die Indikatoren zur Beschreibung des Klassenkontextes wurden aus den Daten zu ihrer sozioökonomischen und zu ihrer nationalstaatlichen Zusammensetzung sowie zur Leistungsvarianz der Schüler gewonnen. Wie stark ist nun der Einfluss, den diese Kontextbedingungen auf die Leistungsentwicklung, den Leistungsausgleich in einer Klasse, die Leistungsbewertung und die Selektionsentscheide? Die Daten stammen aus 112 Klassen (2104 Schülerinnen und Schüler), die sich über die ganze Deutschschweiz verteilten (es wurden alle 21 ganz oder partiell deutschsprachigen Kantone berücksichtigt). Aufgrund der Analysen seines Datenmaterials sieht der Autor seine Vermutung bestätigt, dass in unseren öffentlichen Schulen eine erfolgreiche Schullaufbahn etwas ist, was nur teilweise durch das Individuum beeinflusst werden kann. So kann etwa ein tiefes Leistungsniveau in einer Klasse zur Folge haben, dass es nicht übermässig schwierig ist, gute Noten zu kriegen, und wenn jemand an der Leistungsspitze seiner (schwachen) Klasse steht, stehen für ihn auch die Chancen nicht schlecht, in einen anspruchsvolleren Schultyp promoviert zu werden. Andererseits führt das tiefe Leistungsniveau in einer Klasse in der Regel auch dazu, dass das Anspruchsniveau und sekundär auch die Unterrichtqualität sinkt; dem oben erwähnten promovierten Schüler wird nun dieselbe Tatsache, die ihn privilegiert hatte, zum Nachteil gereichen. Diese Beispiele mögen hier genügen, um zu zeigen, dass die Schullaufbahn von Faktoren bestimmt sein kann, die das Individuum nicht beeinflussen kann, was das meritokratische Prinzip – eine wesentliche Legitimationsbasis unserer öffentlichen Schulen – doch sehr in Frage stellt.

 

Veröffentlichungen:

Kronig, Winfried. Die systematische Zufälligkeit des Bildungserfolgs : theoretische Erklärungen und empirische Untersuchungen zur Lernentwicklung und zur Leistungsbewertung in unterschiedlichen Schulklassen. Bern: Haupt, 2007, 259 S.