Bildungsforschung SKBF

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Faktoren der Resilienz bei Jugendlichen aus schriftfernen Lebenswelten

Institution: Pädagogische Hochschule FHNW, Institut Forschung und Entwicklung; Universität Basel, Deutsches Seminar; Universität Osnabrück, Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften; Universität Freiburg (Schweiz), Heilpädagogisches Institut

Bearbeitung: Annelies Häcki Buhofer, Prof. Dr., Basel; Andrea Bertschi-Kaufmann, Prof. Dr., und Hansjakob Schneider, Prof. Dr., FHNW; Wassilis Kassis, Prof. Dr., Osnabrück; Winfried Kronig, Prof. Dr., Freiburg; Christine Beckert, lic. phil., Basel; Ursula Stalder, lic. phil., Osnabrück; Esther Wiesner, lic. phil. FHNW

Kontaktperson: Hansjakob Schneider (hansjakob.schneider[at]fhnw.ch)

Kurzbeschreibung: Diese Untersuchung im Rahmen des NFP 56 interessierte sich für die Faktoren von literaler Resilienz, für die Gründe also, aus denen bestimmte Jugendliche auch angesichts einer als schlecht beurteilten Ausgangslage und geringer Erfolgswahrscheinlichkeit gute Leistungen in Lesen und Schreiben erzielen können. Die Erhebungen, Tests und Interviews haben vorerst einmal deutlich gemacht, dass die Risikogruppe sehr heterogen zusammengesetzt ist, wobei sie sich allerdings nach Geschlecht und nach Migrationsstatus klassifizieren lässt. So zeichnen sich resiliente Mädchen deutscher Muttersprache durch eine starke Orientierung an schulischen Erfolgskriterien aus, während bei ihren zugewanderten Kolleginnen die Zuweisung an einen anforderungsreichen Schultyp mit Abstand der wichtigste Prädiktor für den Erfolg im Lesen ist. Die Gruppe mit dem schwersten Risiko bilden die mehrsprachigen Jungen mit tiefem Sozialstatus; wenn sich bei ihnen Resilienz feststellen lässt (was höchst selten der Fall ist), so sind die Faktoren eigentlich vollständig ausserschulischer Natur. Die Bemühungen der Lehrpersonen, das Fähigkeitsselbstkonzept der Jugendlichen im Bereich Literalität zu stärken, scheitern insbesondere bei sozial schwächeren Jugendlichen; diese verstehen sich einfach nicht als Lesende oder als Schreibende. Ausserschulische Faktoren für Resilienz finden sich insbesondere in den Familien. Denn wenn dort Lesen und Schreiben selbstverständliche Tätigkeiten sind, so eignen sich auch die Kinder diese an. In diesem Zusammenhang hat sich insbesondere auch herausgestellt, dass Zugehörigkeit zu einer niedrigen Sozialschicht nicht gleichzusetzen ist mit Bildungsferne. Der wohl bedeutendste Faktor für literale Resilienz scheint aber mit der Frage zusammenzuhängen, ob in der alltäglichen Lebenswelt der Jugendlichen dem Geschriebenen konkrete Funktionen zukommen oder nicht.

Veröffentlichungen: Schneider, Hansjakob; Häcki Buhofer, Annelies; Bertschi-Kaufmann, Andrea; Kassis, Wassilis; Kronig, Winfried. Literale Kompetenzen und literale Sozialisation von Jugendlichen aus schriftfernen Lebenswelten – Faktoren der Resilienz oder: Wenn Schriftaneignung trotzdem gelingt : Schlussbericht. Bern: Schweizerischer Nationalfonds, Nationales Forschungsprogramm «Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz», o. J., 17 S. (als PDF auf der Website des N FP 56: www.nfp56.ch )

Häcki Buhofer, Annelies; Schneider, Hansjakob; Beckert, Christine (2007). Mehrsprachige Jugendliche im Dialekt und Hochsprache in der Deutschen Schweiz. In: Linguistik online 32/3, S. 49–70.

Schneider, Hansjakob; Bertschi-Kaufmann, Andrea; Häcki Buhofer, Annelies; Kassis, Wassilis; Kronig, Winfried; Beckert, Christine; Studer, Ursula; Wiesner, Esther (2009). Die erfolgreiche literale Entwicklung von risikobehafteten Jugendlichen – motivationale Aspekte. In: Bulletin Suisse de Linguistique Appliquée 89, S. 65–97

Quelle: Bildungsforschung SKBF www.skbf-csre.ch