Bildungsforschung SKBF

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Frühenglisch: Überforderung oder Chance?

Eine Längsschnittstudie zur Wirksamkeit des Fremdsprachenunterrichts auf der Primarstufe

Institution: Pädagogische Hochschule Zentralschweiz (PHZ) Luzern, Institut für Lehren und Lernen (ILeL), Töpferstrasse 10, 6004 Luzern, http://www.luzern.phz.ch/  in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Angewandte Linguistik, Theaterstrasse 17, 8400 Winterthur

Bearbeitung: Andrea Haenni Hoti, Prof. Dr., PHZ Luzern, Projektleitung; Erika Werlen, Prof. Dr., Universität Wuppertal; Werner Wicki, Prof. Dr.; Marianne Müller, Prof. Dr.; Sibylle Heinzmann, lic. phil.

Kontaktperson: Andrea Haenni Hoti (andrea.haenni[at]phz.ch), Erika Werlen (werlen[at]uni-wuppertal.de)

Kurzbeschreibung: Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren hat 2004 beschlossen, dass Primarschulkinder zwei Fremdsprachen lernen sollen, eine Landessprache sowie Englisch oder eine weitere Landessprache. In der Folge wurden verschiedene Modelle erarbeitet und eingeführt, in einigen Kantonen der Zentralschweiz das «Modell 3/5» mit Englischunterricht (sogenanntem Frühenglisch) ab der 3. und Französisch ab der 5. Klasse; vorher lernten die Kinder mit Französisch nur eine Fremdsprache. Ein Forschungsteam der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz in Luzern hat das neue Modell nun im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz» (NFP 56) untersucht. Das Forschungsteam hat von 2005 bis 2008 in den Kantonen Obwalden, Zug und Schwyz insgesamt 30 Primarschulklassen untersucht, die nach dem Modell 3/5 unterrichtet wurden; als Kontrollgruppe dienten 20 Luzerner Schulklassen, die noch dem alten Modell folgten. Ergänzend kamen Befragungen mittels Fragebogen hinzu (bei Lehrern und Schülern). Die Studie zeigt zuallererst, dass Primarschulkinder mit zwei Fremdsprachen nicht überfordert werden. Sie profitieren im Gegenteil beim Erlernen der zweiten Fremdsprache von der ersten: Wer zuvor Englisch gelernt hat, lernt besser Französisch. Auch mehrsprachig aufwachsende Kinder sind beim Französischlernen im Vorteil. Kinder, die zu Hause mehr als eine Sprache sprechen, und zwar auch andere als Französisch oder Englisch, profitieren vor allem im Französisch-Hören von ihren zusätzlichen Vorkenntnissen. Die Forschenden schliessen daraus, dass neben Deutsch und Englisch auch Migrationssprachen wie Albanisch, Portugiesisch, Serbisch oder Kroatisch für das Erlernen von Französisch eine wichtige Ressource darstellen. Bereits vorhandene Sprachkenntnisse jeder Art scheinen im Fremdsprachenunterricht nützlich zu sein. Der Englischunterricht hat keinen negativen Einfluss auf die Motivation der Kinder, Französisch zu lernen, allerdings aber auch keinen positiven.

Veröffentlichungen: Haenni Hoti, Andrea; Werlen, Erika. Der Einfluss von Englisch auf das Französisch lernen [sic] : Schlussbericht. Bern: Schweizerischer Nationalfonds, NFP 52, o. J. [2009], 36 S. (als PDF auf der Website des NFP 56: www.nfp56.ch)
Haenni Hoti, Andrea; Werlen, Erika. Frühenglisch: Überforderung oder Chance? Eine Längsschnittstudie zur Wirksamkeit des Fremdsprachenunterrichts auf der Primarstufe. Luzern: Pädagogische Hochschule Zentralschweiz Luzern, 2009, 32 S. (Forschungsbericht 20)
Haenni Hoti, Andrea; Werlen, Erika. Englischunterricht (L2) in den Zentralschweizer Primarschulen: Hat er einen positiven oder negativen Einfluss auf das Leseverständnis der Schüler/innen in Deutsch (L1)? In: Werlen, E.; Weskamp, R. (Hrsg.). Kommunikative Kompetenz und Mehrsprachigkeit. Baltmannsweiler: Schneider, 2007, S. 139–159