Bildungsszene International

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Diskussion in Deutschland - Nicht-Pädagogen als Lehrer

Seit langem klagen Lehrerverbände und Gewerkschaften über den Lehrermangel an deutschen Schulen. Einige Bundesländer wollen jetzt den Unterrichtsausfall stoppen. In Bayern etwa werden Quereinsteiger angeworben: Förster oder Diplomübersetzer. Hessen setzt im Modell „Unterrichtsgarantie Plus“ auch Studierende oder Handwerker als Vertretungslehrer ein.  

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„Ein wegweisender Ansatz“, argumentiert die hessische Kultusministerin Karin Wolff – dies sei allenfalls eine „Betreuungsgarantie Plus“ kontert der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger.

 

Frage:

Hessen, so scheint es, hat den Unterrichtsausfall in den Griff bekommen, mit Vertretungslehrkräften aus dem Modell „Unterrichtsgarantie Plus“ – eine auf Dauer ideale und nachahmenswerte Lösung?

 

Karin Wolff

Unterricht tatsächlich stattfinden zu lassen, ist per se richtig. Allerdings bestand das Problem jetzt noch im vor allem kurzfristigen – häufig krankheitsbedingten – Unterrichtsausfall. Darauf hat Hessen reagiert, um dem Anspruch von Schülerinnen, Schülern und Eltern auf ein geregeltes, möglichst kontinuierliches Schulangebot gerecht zu werden. Jetzt fallen kaum noch Stunden aus. Das ist ein wegweisender Ansatz, wie uns viele Nachfragen aus anderen Bundsländern und dem Ausland bestätigen.

 

Heinz-Peter Meidinger

Lehrermangel und Unterrichtsausfall sind in vielen Bundesländern die Problembereiche, die insbesondere den Eltern, wenn es um Schule geht, am meisten unter den Nägeln brennen. Insofern ist es zunächst begrüssenswert, dass die hessische Landesregierung sich diesem Problem stellt und nach Lösungen sucht. Dabei kann die „Unterrichtsgarantie Plus“ mit der Einstellung geeigneter externer Kräfte durchaus ein richtiger Ansatz sein, Unterrichtsausfall zu verringern. Da allerdings derzeit wegen des Lehrermangels dabei auf wenig bzw. nicht qualifizierte Kräfte zurückgegriffen werden muss, ergibt sich allenfalls eine „Betreuungsgarantie Plus“, aber kein Mehr an qualifiziertem Unterricht.

 

Frage:

Dieses Modell entwerte den Lehrerberuf, hat das Giessener Zentrum für Lehrerbildung kritisiert. Nur ein sehr geringer Prozentsatz des Unterrichts sei betroffen, setzt das Ministerium dagegen. Ein paar Unterrichtsstunden mit Laienlehrern schaden also nicht?

 

Karin Wolff

Hessens Schulen sind aufgefordert, nur qualifizierte Vertretungskräfte auszuwählen, um dem Unterrichtsausfall wirkungsvoll zu begegnen. Auch können Schülerinnen und Schüler beispielsweise Lerninhalte durch gut aufbereitetes Unterrichtsmaterial vertiefen oder durch wiederholendes Lernen sichern. Dabei betreuen qualifizierte Vertretungskräfte Schülerinnen und Schüler und geben Hilfestellungen. Viele sind selbst Lehrkräfte oder studieren auf Lehramt, auch die übrigen sind alles andere als Laien. In der Tat betrifft die verlässliche Schule nur etwa 2,5 Prozent der wöchentlich rund 700.000 Unterrichtsstunden an Vormittagen bis Klasse 10.

 

Heinz-Peter Meidinger

Schule wird nicht besser, wenn der Anteil nicht ausreichend qualifizierter Pädagogen darin steigt. Eine Umfrage der „hessenschau“ hat dieses Manko bestätigt: 37 Prozent der Aushilfslehrer haben keinen pädagogischen Hintergrund, 38 Prozent der befragten Schüler attestierten den Aushilfslehrern, keinen richtigen Fachunterricht zu erteilen. Bei erhöhtem Unterrichtsausfall gaben nur 22 Prozent der Schüler an, die Ersatzlehrer zu akzeptieren. Zudem klagen fast alle betroffenen Schulleiter über einen unmässigen, von ihnen geforderten Verwaltungsaufwand bei der Einstellung von Aushilfslehrern, den sie kaum verkraften könnten.

 

Frage:

Es fehlen nach Berechnung des Philologenverbandes bundesweit 14.000 bis 16.000 Lehrer. Sind da Modelle wie „Unterrichtsgarantie Plus“ als langfristige Lösung geeignet? Oder ist es der „Lehrer light“, der bereits mit einem Bachelorabschluss unterrichten kann?

 

Karin Wolff

Die Unterrichtsqualität steht im engen Zusammenhang mit der Kompetenz der Lehrkräfte. Neben der fachlichwissenschaftlichen Seite zählt auch die menschliche. Hessen hat bereits im Jahr 2000 begonnen, für einen erhöhten Lehrerbedarf zu werben. Die hessischen Studierendenzahlen für die Lehrämter sind so stark angestiegen, dass wir hoffen, mittel- und langfristig mit ihnen und den sicher notwendigen Seiteneinsteigern – solide ausgebildet – den Bedarf decken zu können.

 

Heinz-Peter Meidinger

Es gibt derzeit zu wenig fertig ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, insbesondere in den alten Bundesländern. Das Fehlen einer vorausschauenden Personalplanung in fast allen Bundesländern macht sich jetzt dramatisch bemerkbar. Kurzfristig helfen wohl nur qualitätsorientierte Nachqualifizierungsprogramme für Um- und Seiteneinsteiger. Langfristig muss es darum gehen, den Lehrerberuf hinsichtlich Arbeitsbedingungen, Berufsperspektiven und Ansehen so attraktiv zu gestalten, dass genügend geeignete junge Menschen, darunter auch wieder mehr Männer, diesen gesellschaftlich so wichtigen Beruf ergreifen.