Bildungsszene International
Ab September startet an 20 neuen Standorten in Baden-Württemberg ein Modellversuch mit Bildungshäusern
Zentrales pädagogisches Strukturelement der Bildungshäuser sind einrichtungsübergreifende Lern- und Spielzeiten in jahrgangsgemischten Gruppen.
Kultusminister Helmut Rau: „Unser Ziel ist es, Kindern eine kontinuierliche und bruchlose Entwicklung ihrer Bildungsbiografie zu ermöglichen."
Das Modellprojekt "Bildungshaus 3-10" startet ab September an landesweit 20 neuen Standorten mit 20 Grundschulen und 31 Kindergärten. Dies gab Kultusminister Helmut Rau Ende Juli bekannt. In den Bildungshäusern wird die Zusammenarbeit von Kindergärten und Grundschulen so eng miteinander verzahnt, dass eine durchgängige Bildungseinrichtung für Drei- bis Zehnjährige entsteht. Zentrales pädagogisches Strukturelement sind einrichtungsübergreifende Lern- und Spielzeiten in jahrgangsgemischten Gruppen.
Mit den Bildungshäusern schlage Baden-Württemberg als erstes Bundesland neue Wege im Bereich der frühkindlichen Bildung ein. Über die bisherige Kooperation hinaus sollen sich Kindergarten und Grundschule zu einem pädagogischen Verbund weiterentwickeln. "Unser Ziel ist es, Kindern eine kontinuierliche und bruchlose Entwicklung ihrer Bildungsbiografie zu ermöglichen", sagte Rau. Der Minister hob die große Zahl an Bewerbungen hervor. Die positive Resonanz sei ein Beleg für die Innovationsbereitschaft der pädagogischen Fachkräfte in den Grundschulen und Kindergärten. Die insgesamt drei Standorte in Ulm und Bad Wurzach, die bisher schon in diesem Bereich tätig waren, setzen ihre Arbeit fort.
Für die Teilnahme hatten sich insgesamt 93 Standorte mit 227 Einrichtungen, davon 93 Grundschulen und 134 Kindergärten, beworben. Eine weit entwickelte Ausgangslage in der Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule sowie die Qualität des eingereichten pädagogischen Kooperationskonzepts haben bei der Entscheidung eine entscheidende Rolle gespielt. Auf dieser Grundlage sind dann weitere Auswahlkriterien zur Geltung gekommen. Dazu zählen beispielsweise regionale Gesichtpunkte, die Größe der Schule, der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund sowie besondere Profile von Kindergärten und Grundschulen.
In den Bildungshäusern wird die Lern- und Entwicklungssituation der Kinder in einem einrichtungsübergreifenden sozialen Rahmen gestaltet. Die gemeinsamen Bildungsangebote sind integraler Bestandteil der Wochen- und Stundenpläne von Kindergarten und Grundschule. Eine Schlüsselfunktion kommt den Entwicklungsberichten zu. Auf der Grundlage regelmäßiger Beobachtung sollen sie Auskunft über die Entwicklungsfortschritte der Kinder geben und, wo notwendig, Ansatzpunkte für gezielte Fördermaßnahmen enthalten. „Je individualisierter die Bildungs- und Entwicklungsverläufe gestaltet werden, desto mehr treten Zurückstellungen und ähnliche Eingriffe in die Bildungsbiografie in den Hintergrund“, betonte Kultusminister Rau.
Die Modelleinrichtungen werden vom Land mit zusätzlichen Anrechnungsstunden unterstützt. Je teilnehmende Grundschulklasse werden drei zusätzliche Anrechungsstunden pro Jahr ausgewiesen. Für die Dauer des Modellversuchs stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Mittel in Höhe von 3,7 Millionen Euro für Projekt- und Personalkosten im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation zur Verfügung. Die Träger der Kindergärten sichern zu, ihren Mitarbeitern eine gleichwertige Entlastung zu gewähren.




