Bildungsszene International
Studie zur Ausbildung von Lehrkräften in Deutschland
Die Ausbildung der Lehrer in Deutschland müsse dringend reformiert werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die in Berlin vorgestellt wurde. Demnach werde die Eignung der Studenten zum Lehrerberuf kaum überprüft. Beratungsgespräche und Eignungspraktika, in anderen Studiengängen üblich, sollten verpflichtend werden, so der Tenor der Studie.
Gleichzeitig sollen mehr Studenten für das Berufsbild geworben werden. Denn der Mangel an Lehrern wird zum gravierenden Problem. Das belegen Zahlen der Kultusministerkonferenz. Demnach müssen von den rund 789 000 Lehrern, die 2002 hauptberuflich im Schuldienst beschäftigt waren, bis 2015 knapp 365 000 ersetzt werden. Laut Studie dürfte dieser Bedarf allerdings nicht annähernd gedeckt werden. Auch bei einer günstigen Vorhersage werde der Wert um mindestens zehn Prozent unterschritten. Deshalb müssten dringend mehr Quereinsteiger in den Beruf kommen, fordert Studienautor Jürgen Oelkers von der Universität Zürich. Auch wenn der Zugang in den Lehrerberuf insgesamt noch sehr restriktiv gehandhabt wird - es gibt Ausnahmen: So waren zwischen 2002 und 2007 bereits knapp die Hälfte aller Physik-Referendare an Gymnasien Quereinsteiger ohne erstes Staatsexamen.
Auch das Selbstverständnis vieler angehender Lehrer in Hinblick auf ihren Beruf müsse sich ändern. Ein Umdenken sei notwendig, der "deutsche Unterrichtsbeamte" müsse Vergangenheit werden, fordert Oelkers. Traditionell seien deutsche Schulen typische "Unterrichtsschulen", individuelle Förderung gebe es kaum. Es gehe aber vor allem darum, dass Erziehung und Bildung eine Gesamtaufgabe bildeten. Die Studie verweist insbesondere auf das schwedische Modell, wo bereits in der Ausbildung auf die Vermittlung außerschulischer Kompetenzen Wert gelegt wird.
Diese Auffassung wird auch von vielen Lehrern geteilt, die ihrerseits in der zunehmenden Feminisierung des Berufs ein Problem sehen. In Baden-Württemberg sind bereits 90 Prozent der Lehramtsstudenten an Grund- und Hauptschulen weiblich. Da diese später oftmals nur halbtags arbeiteten, sinke die Bereitschaft, sich ganztags für Schule und Schüler zu engagieren. Allerdings brauchten viele Kinder und Jugendliche heute eine intensive Form der Betreuung, die weit über die bloße Vermittlung von Lehrstoff hinausgehe. Denn gerade bei Schülern aus zerrütteten Familien würden Lehrer immer öfter zu den wichtigsten Ansprechpartnern, so Oelkers.
Die Studie können Sie hier herunterladen.




