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Burnout und Burnoutprävention

von Doris Kunz

Begriff und Verbreitung
Während den Anfängen der Burnout-Forschung in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde deutlich, dass nebst Mitarbeitenden in helfenden Berufen auch Lehrpersonen stark von Burnout be­troffen sind (Barth, 1990; Kramis-Aebischer, 1995; Krause & Dorsemagen, 2007; Rudow, 1994). Die Angaben in den verschiedenen Studien zum Anteil der von Burnout betroffenen Lehrpersonen schwan­ken zwischen 10% und 30%. Weil der Begriff schnell Eingang in die Alltagssprache gefunden hatte, wurde er für die verschiedensten Symptome verwendet und wurde dadurch ungenau. Es ist deshalb nützlich, eine Begriffsklärung vorzunehmen. Die heute am meisten verbreitete und anerkannte Definition stammt von Maslach und Jackson (1986). Sie bezeichnen Burnout als Syndrom, also als eine Erkrankung, welche aus einer bestimmten Anzahl von Symptomen besteht, die nicht zwingend immer gleichzeitig auftreten müssen. Die Symptome von Burnout sind emotio­nale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte Leistungsfähigkeit.

Emotional Erschöpfte fühlen sich in ihrer Zusammen­arbeit mit anderen Menschen gefühlsmässig überfor­dert und ausgelaugt. Sie haben den Eindruck, dass von ihnen mehr verlangt wird, als sie zu geben im­stande sind.

Depersonalisation beinhaltet eine nicht mitfühlende, ablehnende, zynische und objekthafte Wahrneh­mung der Klienten, Patienten bzw. der Schülerinnen und Schüler.

Die subjektiv wahrgenommene reduzierte Leistungs­fähigkeit äussert sich darin, dass man sich bei sei­ner Arbeit weniger kompetent fühlt und das Gefühl hat, weniger erfolgreich zu sein. Man entwickelt ein negatives Selbstbild in Bezug auf die eigene Arbeit, welches auch auf den privaten Bereich ausstrahlen kann.

Entstehung
Burnout ist ein schleichender Prozess, dessen Verlauf sich über lange Zeit hinziehen kann. In den verschie­densten Studien ist übereinstimmend festgestellt worden, dass Burnout vor allem Personen betrifft, die ihren Beruf zu Beginn engagiert und mit viel Idealismus ausführen. Dieser Idealismus motiviert sie dazu, bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit zu gehen. Burnout kann entstehen, wenn zu dieser en­gagierten Arbeit erstens zusätzliche Anforderungen hinzukommen, sei es im beruflichen oder im privaten Bereich oder wenn zweitens bei der Arbeit Hindernis­se auftauchen oder Schwierigkeiten entstehen. Per­sonen, die Burnout gefährdet sind, wird schmerzlich bewusst, dass sie nicht mehr allen Anforderungen gerecht werden können. Sie erleben dies jedoch als persönlichen Mangel und geben sich selbst die Schuld für die Unzulänglichkeiten. Sie suchen die Ursachen nicht in veränderten Umständen oder bei anderen. Aufgrund dieser Deutung der Situation reagieren sie meist mit vermehrter Anstrengung und nicht mit der Reduktion ihrer Aufgaben oder einer Situationsklä­rung durch Gespräche mit der Schulleitung oder den Kollegen und Kolleginnen. Die zusätzliche Anstren­gung kann zu einer zunehmenden Erschöpfung füh­ren, die sie aber meist nicht als solche wahrnehmen. Vielmehr fühlen sie sich schuldig, dass sie nicht alles so bewältigen können, wie sie das von sich selber erwarten. Viele fühlen sich hilflos und sehen keine Möglichkeit, die Situation von sich aus zu verändern. Die zunehmende Erschöpfung äussert sich darin, dass ihnen alles zuviel wird: die Schülerinnen und Schüler, die Kolleginnen und Kollegen und die Eltern, aber auch die Aufgaben, die sie bewältigen müssten.

Burnout kündigt sich meist durch verschiedene Vorläufer-Symptome an. So z.B. in der Form von Gereiztheit oder Frustration, in Form von verzerrten Wahrnehmungen oder von einem eingeschränkten Erinnerungsvermögen oder von Flüchtigkeitsfehlern oder Unachtsamkeiten, die zu Unfällen führen. Dies sind meist deutliche Alarmzeichen. Wenn sie als sol­che wahrgenommen werden und die Betroffenen bereit und in der Lage sind, an ihrer Situation etwas zu verändern und das Umfeld zu dieser Veränderung seinen Teil beiträgt, kann Burnout verhindert wer­den.

Prävention
Burnoutprävention ist zwar Aufgabe der einzelnen Lehrerinnen und Lehrer, aber nicht nur. Damit Burnoutprävention nachhaltig wirksam werden kann, müssen die notwendigen Vorkehrungen auch auf der Ebene der Schule getroffen werden. Man spricht dabei von einer Kombination von Verhaltens- und Verhältnisprävention (vgl. Tab. 1). Werden Mass­nahmen nur auf einer Ebene getroffen, bleiben die­se meist unwirksam, weil der Einfluss der anderen Ebene unverändert gross bleibt. Auf beiden Ebenen besteht Burnoutprävention einerseits aus der Aktivie­rung von Ressourcen, anderseits aus der Reduktion von Belastung.

Auf der Ebene des Individuums meint Ressourcenak­tivierung das Erweitern von Kompetenzen und das Vertiefen von Fähigkeiten. Bei den Fähigkeiten sind auch solche wichtig, die sonst eher in Vergessenheit geraten, nämlich die Genuss- und Erholungsfähigkeit. Mit Kohärenzsinn ist eine globale Lebensorientierung des Menschen gemeint, die sich auf das Ausmass be­zieht, inwieweit jemand ein Gefühl des Vertrauens in die sich verändernden Umstände des Lebens hat (Rudow, 2004). Bei einer günstigen Kontrollüber­zeugung tendiert jemand dazu, sich Erfolge persön­lich zuzuschreiben (internale Kontrolle), Misserfolge aber eher auf ungünstige Umstände zurückzuführen (externale Kontrolle). Ein gesundheitsorientierter Le­bensstil mit genügend Bewegung, ausreichend Schlaf und gesunder Ernährung trägt zu Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit bei.

Entlastung auf der Ebene des Individuums ist vor al­lem durch ein gutes Selbstmanagement zu erreichen. Das Selbstmanagement verbessern heisst, Prioritäten zu setzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In Bezug auf die Arbeit in der Schule bedeu­tet dies, das Engagement, das über das Unterrichten und Erziehen hinausgeht, auf das Machbare zu be­schränken. Viele Lehrpersonen setzen die Ansprüche an sich selbst unrealistisch hoch. Hier gilt es, diese auf ein realistisches Mass zu reduzieren (Klippert, 2006; Kretschmann, 2006).

Auf der Ebene der Schule meint Ressourcenaktivie­rung das Schaffen eines guten Arbeitsklimas und das Gewährleisten von sozialer Unterstützung. Zu einem guten Arbeitsklima gehört u.a. eine klare und offe­ne Kommunikation, eine produktive und effektive Zusammenarbeit, die Sicherheit des Arbeitsplatzes, guter Umgang mit Konflikten sowie eine faire und gerechte Behandlung der Mitarbeitenden, resp. der Lehrpersonen (Rudow, 2004).

Eine Belastungsreduktion auf der Ebene der Schule kann im Wesentlichen durch ein gutes Schulmanage­ment erzielt werden. Erleichternd wirken schlanke administrative Abläufe, eine klare Arbeitsteilung und klare Kompetenzen sowie eine Zielklarheit in Bezug auf die Schulentwicklung. Hilfreich ist zudem eine konsequente Projektorientierung: Vorhaben, welche über die tägliche Unterrichts- und Erziehungsarbeit hinausgehen, werden mit Vorteil als Projekte kon­zipiert, welche Bestandteil der Langzeitplanung der Schule sind. Müssen zusätzliche Arbeiten während der Planungsperiode der Schule ausgeführt werden, weil sie z.B. von der Erziehungsdirektion oder der Schulpflege angeordnet werden, müssen bereits ge­plante Projekte verschoben oder sistiert werden.

doris.kunz(at)fhnw.ch 
Pädagogische Fachhochschule Nordwestschweiz
Kompetenzzentrum RessourcenPlus R+

Literatur

  • Barth, A. - R. (1990). Burnout bei Lehrern. Göttingen: Hogrefe.
  • Klippert, H. (2006). Lehrerentlastung: Strategien zur wirksamen Arbeitserleichterung in Schule und Unterricht. Weinheim: Beltz.
  • Kramis-Aebischer, K. (1995). Stress, Belastungen und Belastungsverarbeitung im Lehrberuf. Bern: Haupt.
  • Krause, A. & Dorsemagen, C. (2007). Ergebnisse der Lehrerbelastungsforschung. Orientierung im Forschungsdschungel. In M. Rothland (Hrsg.), Belastung und Beanspruchung im Lehrberuf (S. 52 – 80). Wiesbaden: VS Verlag.
  • Kretschmann, R. (2006). Stressmanagement für Lehrerinnen und Lehrer: ein Trainingsbuch mit Kopiervorlagen. Weinheim: Beltz.
  • Kunz Heim, D. & Nido, M. (2008). Burnout im Lehrberuf. Definition – Ursachen – Prävention. Ein Überblick über die aktuelle Literatur. [On-line]. Available: http//:www.lehrerinnengesundheit.ch / Aktuell [8.12.2008].
  • Maslach, C. & Jackson, S. (1986). Maslach Burnout Inventory. Manual (2nd ed). Palo Alto: Consulting Psychologists Press.
  • Rudow, B. (2004). Das gesunde Unternehmen. Gesundheitsmanagement – Arbeitsschutz – Personalpflege. München: Oldenbourg.

Zum Weiterlesen
Wer mehr zum Thema wissen und sich schnell einen fundierten Überblick verschaffen möchte, dem sei die kommentierte Bibliografie zum Thema «Burnout im Lehrberuf» empfohlen.

In dieser Broschüre ist auf knappen 60 Seiten die aktuelle Fachliteratur zum Thema zusammenge­fasst. Es werden folgende Fragen beantwortet: Was ist Burnout? Welche Symptome weisen auf Burnout hin? Wie entsteht Burnout? Welches sind die möglichen Folgen? Wie kann man Burnout vorbeugen? Was kann man gegen Burnout tun? – Wer an zusätzlichen Informationen interessiert ist, findet nach jedem Kapitel eine Zusammenstellung der wichtigsten Literatur.

Die Broschüre kann heruntergeladen werden von www.lehrergesundheit.ch  oder www.lehrerinnengesundheit.ch