Der Erziehungsdirektor hat das Wort

Diese Seite drucken (in neuem Fenster)

August 2010 - Gedanken zum neuen Schuljahr

Ein neues Schuljahr steht bevor bzw. hat soeben begonnen. Was wird es bringen? Wie wird die neue Lehrerin sein? Wie wird sich die neue Klasse anlassen? Werde ich neue Freundinnen finden? Neben wem werde ich sitzen? Werden wir wohl viele Hausaufgaben zu lösen haben? Hoffentlich findet mein Kind rasch Anschluss? Ob der Schulweg nicht doch zu gefährlich ist? Wie wird wohl der neue Schulpräsident sein Amt ausüben?...

Fragen über Fragen. Je nach nachdem aus welcher Sicht das Schuljahr erwartet wird, werden sie so oder anders gestellt.

Hier die Kinder, für die der allererste Schultag bevorsteht. Voller Vorfreude wird die neue Schultasche ein- und ausgepackt, mit den Farbstiften emsig gemalt und zum x-ten Mal bei den Eltern nachgefragt, wann denn endlich die Schule losgehe.

Da die Eltern, deren Kind nun die erste Klasse besuchen wird. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung ihres Kindes – es verlässt den Kindergarten in unmittelbarer Nähe und wird nun künftig die erste Klasse, vielleicht im Nachbardorf, besuchen.

Haben wir als Eltern alles richtig gemacht? Ist unser Kind bereit für die Schule? Der Schulweg ist wesentlich weiter als zuvor. Etwas Angst vor dem Unbekannten mischt sich mit Stolz, dass das eigene Kind nun auch zu den «Grossen» gehört und die Schule besucht. Die Unbeschwertheit der Tage vor Schulbeginn sorglos mit den Kindern zu geniessen fällt nicht immer leicht. Die Eltern lassen ihre Schulzeit in Gedanken passieren. Nicht immer war alles leicht gefallen, es gab auch negative Erlebnisse. Sie sorgen sich, dass ihre Kinder allenfalls ähnliche Erfahrungen machen müssen.

Jeder Mensch durchläuft in seinem Leben einen einmaligen Lernprozess. Mit jedem Kind ist viel Hoffnung verbunden. Eltern bzw. alle Erwachsenen sollten sich bewusst sein, dass eigene Ängste und Misstrauen hinderlich für eine gesunde Entwicklung der Kinder sind.

Auch den Lehrpersonen gehen viele Gedanken im Vorfeld eines neuen Schuljahres durch den Kopf. Je nach Erfahrungen können diese anders aussehen. Gestandene Lehrpersonen, die schon manche Klasse ans nächste Ziel geführt haben, freuen sich darauf, eine neue Klasse zu bekommen. Die Schülerinnen und Schüler sind noch unbekannt. Spannend! Es gilt einander kennen zu lernen, heraus zu finden, wie die Klasse als Ganzes funktioniert, wer hat welche Stärken, welche Vorlieben, wer muss besonders gefördert werden usw. usw. Sie gehen diese Herausforderungen gespannt und offen an im Wissen, dass es immer einen Weg gibt.

Lehrpersonen, die eben an der Pädagogischen Hochschule ihre Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen haben, bereiten sich auf ihre „erste“ Klasse vor. Vieles wird anders sein, als es noch während dem Studium war. Nun tragen sie die Verantwortung für die Klasse allein, für die einzelnen Schülerinnen und Schüler. Es ist ihre eigene Klasse. Einerseits stolz auf die kommenden Aufgaben, aber andererseits sind da auch etwas gemischte Gefühle, wie der Schulalltag denn wirklich sein wird. Werde ich den Anforderungen gerecht werden? Wie es wohl mit den Eltern der Kinder und auch dem Lehrerteam gehen wird?  

Ein neues Schuljahr beginnt, alle Beteiligten tragen Erwartungen in sich, Befürchtungen, Hoffnungen, Freuden aber auch Ängste. Worauf wird es ankommen, dass es gelingt?

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren wird sein, dass zwischen allen Beteiligten eine offene, vertrauensvolle, verbindliche und ehrliche Beziehung aufgebaut und gepflegt wird. Das heisst aber nicht, dass keine Anforderungen gestellt oder die Kinder gar geschont werden. Die Kinder brauchen Führung und bei problematischen Verhaltensweisen und Einstellungen auch Korrekturen. Joachim Bauer, ein bedeutender Pädagoge, umschreibt Führung in seinem Buch "Lob der Schule" als «die Notwendigkeit, Werthaltungen zu vertreten, Ziele zu formulieren, Schüler zu fordern, als Lehrkraft mutig zu diesen Forderungen zu stehen und Kritik zu üben, Schülerinnen und Schülern dabei aber Mut zu machen und sie in ihren Anstrengungen zu unterstützen».

 In diesem Sinne wünschen wir allen Beteiligten an unseren Schaffhauser Schulen einen guten Start ins neue Schuljahr, viel Kraft und Mut und eben so viel Befriedigung und Freude bei der Arbeit mit und für die Kinder.

 

Heinz Keller                                                                                 
Leiter Dienststelle
Primar- und Sekundarstufe I

 

Christian Amsler
Vorsteher Erziehungsdepartement

 

In der Rubrik "Der Erziehungsdirektor hat das Wort" wende ich mich jeden Monat an die Leserinnen und Leser des Schaffhauser Online-Schulblattes. Dies immer wieder mit einem anderen Thema, das aktuell ist. Gleichzeitig möchte ich Ihnen aber auch die Mitarbeitenden des Erziehungsdepartementes näher vorstellen. Sie werden mit Themen aus ihrem Fachbereich mithelfen, dass diese Rubrik spannend, vielfältig und engagiert ausfallen wird - genau so wie die Menschen im Schaffhauser Erziehungsdepartement!