Der Erziehungsdirektor hat das Wort

- Christian Amsler, Erziehungsdirektor
In der Rubrik "Der Erziehungsdirektor hat das Wort" wende ich mich jeden Monat an die Leserinnen und Leser des Schaffhauser Online-Schulblattes. Dies immer wieder mit einem anderen Thema, das aktuell ist. Gleichzeitig möchte ich Ihnen aber auch die Mitarbeitenden des Erziehungsdepartementes näher vorstellen. Sie werden mit Themen aus ihrem Fachbereich mithelfen, dass diese Rubrik spannend, vielfältig und engagiert ausfallen wird - genau so wie die Menschen im Schaffhauser Erziehungsdepartement!
War eine Zahnbehandlung bei Ihnen schon mal schmerzhaft?

Peter Kerschot, Dr. med. dent.
Leiter der Schulzahnklinik des Kantons Schaffhausen
In der Regel sind die normalen zahnärztlichen Behandlungen zwar nicht unbedingt angenehm aber nicht schmerzhaft. Es sei denn man hat zu lange gewartet und der Defekt ist so gross, dass eine Entzündung involviert ist. Diesen Tag wird man nicht leicht vergessen.
Gerade das Vermeiden von solchen unangenehmen Erfahrungen für die Kinder ist eine der vielen Ziele der Schulzahnklinik. Um dies zu erreichen baut die Schulzahnklinik auf drei Pfeiler: Die Prophylaxe, die Reihenuntersuchung und die Behandlungen.
Prophylaxe: Durch eine ausführliche Prävention sollte zuerst schon mal so viel als möglich vorgebogen werden, dass Karies überhaupt entsteht. Darum gehen die Prophylaxeassistentinnen der Schulzahnklinik in den Kindergärten und Schulen um die Kinder und Jugendlichen über das Zähneputzen, die Ernährung und Fluorid zu instruieren. Wenn diese drei Aspekte der Prophylaxe gut beachtet werden ist dies schon einen grossen Schritt in Richtung kariesfreies Leben.
Reihenuntersuchung: Passiert doch das unverhoffte, dann sollen entstandene Löcher während der Reihenuntersuchung möglichst früh entdeckt werden, sodass mit einer kurzen und schmerzlosen Behandlung der Defekt behoben werden kann. Eine Schwierigkeit bei der Reihenuntersuchung ist, dass Zahnärzte sich selten über einen Befund einig sind. Und so gibt es logischerweise auch öfter unterschiedliche Befunde zwischen dem Privatzahnarzt und der Schulzahnklinik. Warum nun sind Zahnärzte sich so oft uneinig ob ein Loch ein Loch (zum Füllen) ist? Die Kariesdiagnostik ist die schwierigste Sparte der Zahnmedizin. Karies ist ein Prozess. Die Bakterien in der Zahnplaque setzen Zucker in Säure um und diese Säure tastet den Zahnschmelz an. Dieser Prozess läuft über Monate, sogar Jahre, je nach Person und Häufigkeit des konsumierten Zuckers. Und irgendwann stellt man diese Karies fest. Wie früh eine Karies diagnostiziert wird hängt von der Untersuchungsmethode, eventuell benützten Hilfsmittel (Lupenbrille, Laser, Röntgen…) und von der Einschätzung des untersuchenden Zahnarztes ab. Es ist nicht immer klar schwarz-weiss.
Behandlung: Ob und wann eine entdeckte Karies gefüllt werden muss, darüber scheiden sich die zahnärztlichen Geister noch mal. Es gibt grosse Unterschiede zwischen Kinder und Erwachsene. Bei Kindern sind die meisten Karies aktiv und werden schnell grösser, daher ist ein frühes Behandeln fast immer angewiesen. Denn, wir möchten die Behandlungen so kurz und so wenig unangenehm als möglich machen, sodass die oben erwähnten schlechten Erfahrungen nicht vorkommen. Je älter man aber wird desto weniger kariesaktiv wird man. Hingegen werden parodontale Probleme, welche bei Kindern kaum anwesend sind, bei Erwachsenen wichtiger und wichtiger. Kinderzahmedizin ist also nicht gleich Erwachsenezahnmedizin.
Die Schulzahnklinik in Schaffhausen hat in ihr 90-jähriges Bestehen hervorragende Arbeit für die Bekämpfung von Karies geleistet. Zurzeit sind dank diesen Anstrengungen je nach Alter zwischen 70% und 80% der Kinder kariesfrei. Keine Präventionskampagne war je so erfolgreich als die Kariesprävention der Schulzahnkliniken und Schulzahnpflege in der Schweiz. Im Ausland wird die Schweiz darum beneidet. Ein Abbau dieser Strukturen würde sehr schnell zu einer rasanten Verschlechterung der Mundgesundheit führen. Oder möchten wir zurückgehen zu einer Zeit wo Bilder wie diese wieder regelmässig vorkommen?

- Peter Kerschot, Dr. med. dent.




