EDK
neue Publikation - Erfolgsfaktoren in der Berufsbildung
Kurt Häfeli, Claudia Schellenberg
Erfolgsfaktoren in der Berufsbildung beigefährdeten Jugendlichen
Bern, EDK 2009 (Studien + Berichte 29A)
154 Seiten, CHF 15.–, vorliegend in deutscher und französischer Sprache
Jugendliche mit einer schwierigen (sozialen, kulturellen, schulischen) Ausgangslage erwerben erfolgreich einen Abschluss auf Sekundarstufe II. Sie machen beispielsweise eine Lehre und steigen ins Berufsleben ein. Andere Jugendliche mit einer ähnlichen Ausgangslage schaffen das nicht. Was macht den Unterschied aus? Wo liegen die Erfolgsfaktoren? Dieser Frage geht eine neue Publikation nach, die im Auftrag der EDK entstanden ist. Sie ist Teil des EDK-Projektes «Nahtstelle obligatorische Schulzeit – Sekundarstufe II».
In der Schweiz erwerben rund 90% der Jugendlichen einen Abschluss auf Sekundarstufe II (Gymnasium, Fachmittelschule oder Berufsausbildung). Das ist im internationalen Vergleich zwar viel: der OECD Durchschnitt beträgt 82%, der Durchschnitt der EU-19 85% (Zahlen 2007, in der Schweiz bezogen auf die 18- bis 20-Jährigen). Dieser Prozentsatz ist aber in der Schweiz seit einigen Jahren auf diesem Niveau stabil.
90% erwerben einen Abschluss. Was ist mit den restlichen 10%? Diese 10% stehen für zirka 8000 Jugendliche. 3–4% der Jugendlichen eines Jahrgangs gehen nach der obligatorischen Schule «verloren», sie steigen nicht in eine Ausbildung auf der Sekundarstufe II ein. 4–5% fallen nach einer Lehrvertragsauflösung aus dem System. 2–3% eines Jahrgangs schaffen die Lehrabschlussprüfung (auch nach mehreren Anläufen) nicht. Vielfach sind das Jugendliche aus einem schwierigen sozialen und/oder aus einem fremden kulturellen Umfeld und ohne eine glanzvolle Schulkarriere. Nun gibt es natürlich auch viele Jugendliche mit diesen Merkmalen, die erfolgreich einen Abschluss auf Sekundarstufe II erwerben und den Einstieg in die Berufswelt schaffen. Was macht den Unterschied aus?
Dieser Frage geht die Publikation «Erfolgsfaktoren in der Berufsbildung bei gefährdeten Jugendlichen» nach. Im Zentrum stehen nicht Defizite und Risikofaktoren (warum schaffen sie es nicht), sondern die Erfolgsfaktoren (was trägt zum Erfolg bei). Grundlage bildet die Auswertung von 58 Schweizer Untersuchungen und Projekten zum Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufswelt, die im Zeitraum 2000–2009 durchgeführt wurden.
Einige Befunde
Ob die berufliche Entwicklung erfolgreich ist, kann von zahlreichen Faktoren abhängen. Die Autoren des
Berichts identifizieren nahezu 50 Faktoren, welche einen positiven Einfluss auf die berufliche Entwicklung
von Jugendlichen mit einer schwierigen Ausgangslage haben können. Sie gruppieren diese in sieben Bereiche. Diese Faktoren spielen zusammen und können nicht isoliert betrachtet werden.
Auffallend ist laut Autoren das starke Gewicht von strukturellen Merkmalen wie wirtschaftliche Konjunktur, Demografie (Anzahl Schulabgänger), soziale Herkunft, Geschlecht (männliche Jugendliche schaffen den Einstieg in eine Berufsbildung tendenziell leichter und geradliniger) oder besuchter Oberstufentyp vor dem Einstieg in die Berufsbildung. Es zeigen sich aber auch starke Einflüsse auf Seiten der Jugendlichen selber. So spielen Leistungsfähigkeit, soziale Kompetenzen, Arbeitstugenden, Motivation, Selbstwert und Selbstwirksamkeitserwartung (realistische und positive Einschätzung dessen, was man mit seinen Kompetenzen erreichen kann) eine wichtige Rolle. Weitere Erfolgsfaktoren sind in den Bereichen Familie, Freizeit und Peers, Beratungs- und Interventionsangebote, Betrieb und Berufsbildende, Schule und Lehrpersonen anzusiedeln.
Wie weiter?
Der Bericht «Erfolgsfaktoren in der Berufsbildung bei gefährdeten Jugendlichen» ist im Auftrag der EDK entstanden und schreibt sich in das EDK-Projekt «Nahtstelle obligatorische Schule – Sekundarstufe II» ein. Mit diesem Projekt will die EDK den Anteil der Abschlüsse auf Sekundarstufe II bis 2015 von heute 90% auf 95% erhöhen. Das Nahtstellen-Projekt umfasst insgesamt acht Teilprojekte. «Erfolgsfaktoren» ist eines davon.
Aus den vorliegenden Befunden sollen Massnahmen abgeleitet werden, die sich an vier Bereichen ausrichten: 1) Schule und Lehrpersonen, 2) Familie und soziales Umfeld des Jugendlichen, 3) Beratungs und Interventionsprogramme, 4) Betriebe, Verwaltung und Bildungspolitik. Die Massnahmen sollen in Form von «Leitfäden» für verschiedene Zielgruppen aufbereitet werden.
Bestellung und Download der Publikation
www.edk.ch > Dokumentation > Publikationen EDK
oder telefonische Bestellung unter 031 309 51 11
Mehr Informationen zum Projekt Nahtstelle:
www.nahtstelle-transition.ch




