Erfolgreiche Klassenführung
Vertiefungsmodul „Klassen leiten und führen“ an der PHSH
Erfolgreiche Klassenführung – eine Voraussetzung für guten Unterricht

- Maria Tarnutzer, 1956
Jede Lehrperson entwickelt im Laufe ihrer Berufstätigkeit ihren eigenen Stil in der Klassenführung: Worauf legt sie besonders Wert im Unterricht? Mit welchen Regeln und Ritualen arbeitet sie an einem guten Klassenklima? Kann sie eine produktive Lernatmosphäre im Schulzimmer herstellen? Wie gestaltet sie die Mitbestimmung der Kinder, wie die Zusammenarbeit mit den Eltern? Besonders auch für junge Lehrpersonen ist eine wirksame Klassenführung eine Hürde, die es beim Einstieg in den Schulalltag erst einmal zu bewältigen gilt. Die Ursache des Scheiterns im Lehrberuf wird deshalb relativ häufig auf ein nicht Reüssieren in der Klassenführung zurückgeführt. Im Vertiefungsmodul „Klassen leiten und führen“ an der PHSH können die Studierenden sich intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzen.
Welche Dimensionen der Klassenführung gibt es zu berücksichtigen? Die Wissenschaft sagt uns dazu einiges, wenngleich anzumerken ist, dass die meisten Studien aus dem angelsächsischen Raum stammen.
Folgende Dimensionen für die Klassenführung während des Unterrichts sind wissenschaftlich belegt:
1. Angemessener Unterrichtsfluss: Während des Unterrichts sollte die Lehrperson auf einen angemessenen Unterrichtsfluss achten, die Schüler und Schülerinnen sollten jederzeit beschäftigt sein, Wartezeiten sind zu minimieren. Dazu gehört auch, dass Übergänge zwischen den Unterrichtsphasen geschickt arrangiert und möglichst reibungslos von statten gehen. Unterbrüche des Unterrichts sollten nur der Stoffvermittelung dienen und nicht z. B. durch die Disziplinierung einzelner Kinder verursacht werden. Die Kinder wissen jederzeit, was sie zu tun haben. Die Lehrperson arbeitet mit abgemachten Signalen; eingeführte Rituale und Regeln erleichtern den Kindern das selbständige Arbeiten und Zurechtfinden im Schulalltag.
2. Breite Aktivierung: Damit ist gemeint, dass alle Kinder jederzeit intensiv ins Lernen eingebunden sind. In allen Unterrichtsphasen denkt oder arbeitet jedes Kind aktiv mit. Für die Lehrperson stellt sich hier die herausfordernde methodische Frage, wie sie diese breite Aktivierung auch im Frontal- und im Gruppenunterricht erreichen kann.
3. Allgegenwärtigkeit: Die Lehrperson ist jederzeit im Bilde, was in ihrem Klassenzimmer abläuft. Sie hat so zusagen auch Augen im Hinterkopf. Die Kinder wissen um diese Aufmerksamkeit ihrer Lehrerin. Häufig genügt dann auch ein mahnender Blick, ein Kopfschütteln, ein aufmunterndes Lächeln oder eine kleine Hilfestellung von ihrer Seite, damit der Unterricht ohne Störung verlaufen kann. Die Lehrperson ist fähig mehrere Gruppenaktivitäten gleichzeitig zu steuern und hat jederzeit die Übersicht im Klassenzimmer.
4. Rhythmisierung: Der Unterricht ist inhaltlich und in den Sozialformen auf die Kinder hin abgestimmt rhythmisiert. Es entstehen dabei für die Kinder immer wieder neue Herauforderungen und Anreize, zu lernen und das gelernte Können zu präsentieren.
Klassenführung beinhaltet aber auch die aktive Steuerung und vorausschauende Planung des Sozialgefüges einer Schulklasse. Nicht immer nehmen Lehrpersonen adäquat wahr, wie die Kinder ihrer Klasse im sozialen Bereich zueinander stehen und wie sie miteinander an unbeaufsichtigten Orten umgehen. Mit einer soziometrischen Erhebung lässt sich die Gruppenkonstellation der Klasse relativ einfach aufzeichnen. Mithilfe eines Fragebogens kann zusätzlich das Klassenklima erfasst werden. Solche Bestandesaufnahmen geben der Lehrperson die Basisinformationen für eine gezielte Intervention. Sie weiss nun, welche Kinder eventuell besser in die Klasse integriert werden müssen, z. B. durch ein geschicktes Platzarrangement oder durch bewusste Zuteilungen bei Gruppenarbeiten. In Einzelgesprächen kann sie bestimmten Kindern beratend zur Seite stehen und ihnen helfen, an ihrer Selbst- oder Sozialkompetenz zu arbeiten.
Vieles zum Thema Klassenführung kann im Sinne eines Handwerkes gelernt werden. Erst die Berufserfahrung bringt dann die notwendige Sicherheit, ja vielleicht sogar Meisterschaft, die der eigenen Intuition traut und sie als wichtiges Führungsinstrument einsetzen kann.
Literatur:
§ Evertson C. & Weinstein C. (2006). Handbook of Classroom Mangement. Research, Practice, and Contemporary Issues. London: Lawrence Erlbaum Associates.
§ Nolting H.P. (2002). Störungen in der Schulklasse. Weinheim: Beltz.
§ Rüedi J. (2004) Disziplin in der Schule. Plädoyer für ein antinomisches Verständnis von Disziplin und Klassenführung. Haupt.




