Forschung an der PHZ

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Forschungsbericht Nr. 3 / Lernen und Lehren an der Primarschule

Lernen und Lehren in der Primarschule - Grundlagenbericht

Forschungsbericht Nr. 3 der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz, Hochschule Luzern

Eveline Gutzwiller-Helfenfinger; Werner Wicki

 

Zusammenfassung

Der Bericht zum Projekt Lernen und Lehren in der Primarschu­le ist in drei Teilbereiche gegliedert. Zunächst werden die entwicklungs- und kognitionspsycho­logischen Grundlagen aufgearbeitet. Hier wird das enorme Lernpotenzial von Kindern aufgezeigt, aber auch Lernbarrieren, die zu überschreiten auch intensive Schulung kaum möglich machen wird. Im Vergleich zu früheren Auffassungen von der kognitiven Entwicklung wird verdeutlicht, dass Lernen nach heutiger Auffassung zu einem sehr grossen Teil bereichsspezifisch erfolgt und Transfereffekte nicht die Regel, sondern die Ausnahme darstellen.

 

Ein zweiter Schwerpunkt liegt beim Zusammenhang zwischen Schule und Lernzeit. Ausgehend von der schulischen Organisation von Lernzeit wird die Frage nach deren optimalen Nutzung gestellt. Es wird aufgezeigt, dass Schulleistungen multipel determiniert sind und dass die Bedin­gungsfaktoren einander gegenseitig beeinflussen. Anhand von Weinerts (2000) sechs Bildungs­zielen werden Ansprüche an schulisches Lernen und Lehren aufgezeigt. Weiter werden relevante Aspekte der effizienten Unterrichtsgestaltung herausgearbeitet. Schliesslich wird das Thema der umfassenden Blockzeiten näher beleuchtet. Dieses Kapitel verdeutlicht, wo heute noch grosse Zeitreserven stecken, deren Nutzung folglich mit einer Effizienzsteigerung in der Primarschule einhergehen würde.

 

Sodann werden die Stundentafeln der Zentralschweiz mit denjenigen Australiens und Finnlands verglichen mit dem Ziel, Effekte des Zeitaufwands für bestimmte Fächer mit dem Abschneiden dieser Länder in PISA 2000 und 2003 in Verbindung zu bringen. Dabei werden die wichtigsten Eigenschaften der Bildungssysteme der beiden Vergleichsländer beschrieben, um die kontextuel­len Gegebenheiten, die hinter den Stundentafeln liegen, genügend zu erfassen. Der Länderver­gleich zeigt auf, dass Australien und Finnland die Sprachlichkeit in der Primarschule stark beto­nen. Weiter wird ersichtlich, dass in beiden Ländern die meisten Fächer mit unterschiedlicher zeitlicher Intensität über die Schulzeit hinweg unterrichtet werden, während in der Zentral­schweizer Stundentafel praktisch alle Fächer zeitlich gleich intensiv unterrichtet werden.

 

Abschliessend werden Empfehlungen präsentiert für (a) die zeitlich-organisatorischen und (b) die inhaltlich-themenbezogenen Aspekte von Unterricht und Lehrplänen in der Primarschule sowie (c) für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. Die zeitlich-organisatorischen Empfehlun­gen beinhalten die Schaffung grösserer Zeitgefässe, die Orientierung an einer definierten Jahres­stundenzahl pro Fach, das Einplanen von offener Lernzeit, die Gestaltung von Teamarbeit und Übergaberegelungen zwischen den mit einer Klasse beschäftigten Lehrpersonen, die Rhythmisie­rung und Phasierung der Lehr- und Lernprozesse, die effizientere Nutzung der Unterrichtszeit, die Betonung des Übens im Sinne von Automatisierung und Überlernen sowie die Unterstützung des Erwerbs metakognitiver Fähigkeiten.

 

Die inhaltlich-themenbezogenen Empfehlungen umfassen die nachhaltige Förderung von Problemlösen und Lernmotivation im Unterricht, die laufende Lernstandsdiagnose zur Individua­lisierung und Differenzierung des Unterrichts, die Unterscheidung von Kernkompetenzen und erweiterten Kompetenzen, die Schwerpunktbildung bei der Verteilung der Fächer und Inhalte über die Primarschulzeit hinweg, den Aufbau von vernetztem Wissen und instrumentellen Fertig­keiten und die Betonung der Sprache / Sprachlichkeit des Unterrichts. Als Empfehlung für die Ausbildung der Lehrpersonen wird die Förderung der grundlegenden Kompetenzbereiche, d.h. der Sachkompetenzen, der diagnostischen Kompetenzen, der didaktischen Kompetenzen und der Klassenführungskompetenzen betont sowie die Vermittlung von Fertigkeiten und Fähigkeiten zum Umgang mit umfassenden Blockzeiten.

 

 

Der ausführliche Bericht kann unter

www.luzern.phz.ch/seiten/dokumente/phzlu_fe_ilel_lelepri_schlussbericht.pdf

eingesehen und von dort auch als PDF heruntergeladen werden.