Gastvorlesung an der HfH
Vorlesung zum Thema Resilienz
Therapeutische Wege zur Stärkung der seelischen Widerstandskraft bei traumatischen Verlusterlebnissen
Pauline Boss (prof. emer. University of Minnesota, USA)
lecture in english / Vorlesung in Englisch
Donnerstag, 22. Januar 2009, 18.30
HfH, City Bernina, Aula 100, 1. Stock
Schaffhauserstrasse 239
8057 Zürich
Lageplan www.hfh.ch/lageplan
Anschliessend Apéritif und Büchertisch, Eintritt frei
Pauline Boss ist die Vordenkerin des Konzeptes des „uneindeutigen Verlustes" („ambigous loss"). Der Begriff umfasst zwei Arten von traumatischen Verlusterfahrungen: Auf körperlicher Ebene bezeichnet er den Verlust eines nahe stehenden Menschen, der psychisch als anwesend empfunden wird, obwohl er physisch nicht greifbar ist. Etwa bei Personen, die nach einer Naturkatastrophe verschollen bleiben ohne dass ihr Leichnam gefunden wird oder bei Entführungsopfern, wie im bekannten Fall von Madeleine. Auf der geistigen Ebene benennt er den Verlust eines Menschen, der zwar körperlich anwesend ist, dessen Geist und Persönlichkeit aber wenig greifbar sind, wie dies bei einigen Kindern mit einer Behinderung, oder bei Alzheimerpatienten der Fall sein kann.
Diese Situationen stellen eine besondere Belastung für das seelische Gleichgewicht der Angehörigen dar. Eine vertraute Person wird Ihnen fremd, ohne dass sie sich emotional endgültig von ihr lösen können. Es entsteht ein Prozess des immerwährenden Abschiednehmens.
Boss zeigt Techniken und therapeutische Strategien auf, die den Betroffenen ermöglichen, ihr Schicksal anzunehmen und damit umzugehen. Die Autorin schildert, wie ihre seelische Widerstandskraft (Resilienz) gestärkt werden kann und sie lernen, ihre Lebenssituation wieder in die Hand zu nehmen, und mit der Ungewissheit des Verlustes weiterzuleben.
Das Thema der Resilienz wird vor allem in beraterisch-therapeutischen Berufen diskutiert und dank intensiver Forschung auch als Modell eingesetzt. Insbesondere beim Abwägen von risikoerhöhenden und risikomildernden Bedingungen bei Individuen und Familien. Resilienz hat als Modell vermehrt auch in der Heilpädagogik Eingang gefunden. Vor allem in Bezug auf die Verletzbarkeit von Kindern und Jugendlichen sowie in Bezug auf Risiko- und Schutzfaktoren, die in der heilpädagogischen Arbeit berücksichtigt und genutzt werden können.
Zur Person
Pauline Boss ist Familientherapeutin und emeritierte Professorin der University of Minnesota. Neben ihrer langjährigen Lehrtätigkeit an verschiedenen amerikanischen Universitäten war sie unter anderem als Koordinatorin der psychologischen Nachbetreuung von Familien nach den Anschlägen vom 11. September in New York und für das Internationale Rote Kreuz in Bosnien-Herzegowina tätig.
Literatur
Boss, P. (2006). Loss, Trauma, and Resilience. New York: Norton
Boss, P. (2008). Verlust, Trauma und Resilienz. Stuttgart: Klett Cotta




