Gewerbemuseum Winterthur

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AQUARIUM - Tauchstation Wohnzimmer

Eine Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur

 

12. Mai bis 30. September 2007

 

 

Seit rund 150 Jahren drücken sich Alt und Jung die Nasen platt an den Glasscheiben öffentlicher und privater Aquarien. Was macht diese anhaltende Faszination aus? Wie entstand die verrückte Idee, sich die ozeanische Unterwasserwelt in die Stube zu holen? Voraussetzung für diese komplexe und spannungsgeladene Geschichte war die leidenschaftliche Hingabe vieler an dieses Phänomen: Erfinder, Forscher, Künstler, Designer, Tierfreunde, Laien, Reisende, Suchende oder Träumende. Denn Aquaristik bedeutet weit mehr als kontemplative Liebhaberei. Die Ausstellung beleuchtet und verbindet diese unterschiedlichen Welten und lädt ein zum Tauchgang in ein "Gesellschaftsaquarium" der besonderen Art. Sie verrät Unerwartetes über unser Verhältnis zu Natur und Künstlichkeit.

Die Erscheinungsformen des Aquariums sind vielfältig, seine Geschichte ist aufregend und weitgehend unbekannt. Mitte des 19. Jahrhunderts begann man, die neu entdeckte und beunruhigende Tiefseenatur auf mannigfaltige Weise zu vereinnahmen. Ein erstes öffentliches Schauaquarium in England zeigte eine bis dahin unbekannte Unterwasser-Erlebniswelt und löste einen ersten Aquariumsboom aus. Schlüsselereignis für die daran anknüpfende Eroberung der Tiefsee war 1860 ein defektes Telegrafenkabel, das auf dem Meeresgrund zwischen Sardinien und Algier lag und zur Reparatur aus einer Tiefe von 2000 Metern gehoben werden musste. Die Meereswesen, die an diesem Kabel hafteten, versetzten die damalige Gesellschaft in fassungsloses Staunen, hatte doch bislang niemand daran geglaubt, dass in diesen Tiefen der Ozeane Leben möglich wäre. Der Blick in die unbekannten Gefilde dieses Meeresuniversums löste einen regelrechten Wahrnehmungsschock aus und bündelte gleichzeitig magische Anziehungskräfte, die fortan die Fantasie von Künstlern, Wissenschaftlern und Laien nachhaltig beflügeln sollten. Das Aquarium war geradezu prädestiniert, neue Dimensionen des Bewusstseins zu erschliessen. An den ersten Weltausstellungen und in neu errichteten Meermuseen wurden grosse Schauaquarien eingerichtet und einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Diese "künstlichen Paradiese" wurden zu wahren Publikumsmagneten, in märchenhaften Grottenaquarien konnten die Besucher lustwandeln und den neu entdeckten Unterwasserkosmos bewundern. Die Faszination für diese Form von Exotik verbreitete sich schlagartig und hielt Einzug in die Wohnzimmer. Einen massgeblichen Beitrag an die wachsende Popularität der künstlich in Glasbehältern angelegten Wasserwelten leistete ebenso Jules Vernes Roman "20 000 Meilen unter dem Meer" von 1870, den er vor einem Aquarium sitzend geschrieben hatte.

 

Auch heute ist das Aquarium weitaus mehr als ein dekorativer Fischbehälter. Es ist ein Stück domestizierte Natur en miniature – farbenprächtig und exotisch, unprätentiös und hypnotisierend. Und es feiert sein Comeback. Was bis vor kurzem noch als Synonym für Spiessbürgerlichkeit galt, erfreut sich zunehmender Beliebtheit in Design und neuen Medien: Unterwasserwelten präsentieren sich als Raumteiler in Hotelhallen und Lofts, als Duschvorhang oder Bildschirmschoner. Auch die Aquaristik avancierte mit den technischen Neuerungen des 20. Jahrhundert zu mehr als nur einem beliebten Hobby. Die Unterwasserwelt im Glas zeigt unterschiedliche Auswirkungen auf Alltag und Gesellschaft.

Als "mer en miniature" im Wohnzimmer hat das Aquarium eine eigene Kultur und Ästhetik hervorgebracht. Was im 19. Jahrhundert im Zeichen von Wissenschaft und Kunst begann, wurde mehrfach transformiert: im Kern aber ist es noch immer ein Spiel von Natürlichem und Artifiziellem. Die Ausstellung ermöglicht von Konzept und Gestaltung her ein Eintauchen in das Thema. Sie beleuchtet die Geschichte der Entdeckung der Unterwasserwelt und ihren Einfluss auf Wahrnehmung und Freizeitverhalten, die Aquaristik. Sie stellt das Hobby-Aquarium in den Kontext von Naturwissenschaft und Geschichte und zeigt seine Impulse für Kunst und Design.

Öffentliche Führungen

Donnerstag, jeweils 18.30 Uhr

24. Mai / 21. Juni / 20. September, jeweils mit Annina Ciocco, Kulturvermittlerin

Sonntag, jeweils 11 Uhr

10. Juni mit René Honegger, Kurator Zoo Zürich i.R.

1. Juli mit Pascal Sewer, Aquariumverein Winterthur (AVB)

2. September mit Hans Konrad Schmutz, Konservator Naturmuseum Winterthur

MuseumsTagNacht

Samstag, 12. Mai 2007, jeweils 16 Uhr / 19 Uhr / 22 Uhr

Lesung mit Texten aus Jules Vernes "20 000 Meilen unter dem Meer" mit Beren Tuna und Georg Lippert;

anschliessende Führungen mit Annemarie Bucher und Cornelia Meyer, Ausstellungskuratorinnen

Weitere Aktivitäten, die das Gewerbemuseum an der diesjährigen MuseumsTagNacht veranstaltet siehe

www.gewerbemuseum.ch

Workshops für Schulklassen

Im Juni finden Workshops für Kinder der 2. – 4. Klasse statt. Weitere Informationen/Anmeldung siehe

www.gewerbemuseum.ch / Museumspädagogik oder Telefon 052 267 51 36