Interkulturelles an der PHSH
Drei Module zum Thema werden an der PH angeboten
Interkulturelles an der PHSH

- Manuela Pigagnelli ist ausgebildete Primarlehrerin und Italienischlehrerin an der Kantonschule. Daneben ist sie als Dozentin für „Interkulturelles“ und an der PHSH tätig.
Vielfalt und Unterschiedlichkeit stellen eine Bereicherung für alle Menschen dar und werden als Stärke angesehen, als Geschenk geschätzt und nicht als Bedrohung wahrgenommen.
Die Einheit der Köpfe im Gesamtbild einer Klasse, wenn es das überhaupt jemals gegeben hat, gehört schon seit den 60- er Jahren der Vergangenheit an.
Damals war die Migrationspolitik sowohl des Staates als auch der Schule einseitig auf Assimilation ausgerichtet. Diese rigorose Haltung wurde in den 70- er Jahren zum Glück aufgegeben und es entstanden Förderangebote verschiedenster Art für Kinder aus Migrantenfamilien. Diese neue Art von Pädagogik war aber gezielt auf die Beseitigung von Defiziten, vor allem sprachlicher Natur, ausgerichtet.
Eigentlich hat die Schiene der Integration als Wahrung der eigenen Kultur zwecks besserer Identitätsfindung und Identitätsbestimmung erst in den späten 80-er Jahren eingesetzt, paradoxerweise mit dem parallelen Erstarken ausländerfeindlicher Gruppierungen.
Wie reagiert die PHSH auf diese Vielfalt?
Während meiner Ausbildung zur Primarschullehrerin (77-79) wurde das Thema gerade einmal an einem Nachmittag abgehandelt. Mit Beat Weber als neuem Seminarleiter (1989) gab es dann glücklicherweise einen gewaltigen Schritt nach vorne. Ihm gebührt das Verdienst der Einführung der Interkulturellen Woche. Gemeinsam haben wir ein Konzept aufgebaut und stets ausgeweitet das den heutigen Bedürfnissen gerechter wird.
Die Diversität kommt in verschiedenen Modulen zur Sprache. Die Integration von Kindern mit besonderen Lernvoraussetzungen wird in den Modulen der Sonderpädagogik behandelt. In meinen Modulen rücken die interkulturellen Aspekte in den Vordergrund, aber nicht nur.
Heute sind wir in der komfortablen Lage drei Module anbieten zu können, die dem Thema der Vielfalt gewidmet sind.
BE 08 Migration und Integration
In diesem Modul stehen Informationen über Geschichte und Entwicklung der Migration weltweit und in der Schweiz sowie gesellschaftsrelevante Informationen wie z.B. das Asylverfahren oder die verschiedenen Bewilligungen im Vordergrund. Ebenso erhalten die Studierenden Auskünfte über die bestehenden Hilfsangebote für Lehrkräfte und Eltern. Höhepunkte sind jeweils die persönlichen Begegnungen mit Migrantinnen und Migranten und deren Welt, die Auskünfte aus erster Hand, das direkte Erleben der Kulturen.
BE 13 Umgang mit Heterogenität
Die Vielfalt der Kulturen und Sprachen in einem Schulzimmer sind nur ein Stück des Kuchens. In diesem Modul kommt deshalb fast die ganze Bandbreite der Vielfalt zur Sprache. Aspekte wie Gender, Hochbegabung, die interkulturelle Optik, Schulmodelle, Hintergründe für Erfolg oder Misserfolg der schulischen Laufbahn und theoretische Ansätze zur Chancengerechtigkeit werden besprochen und diskutiert. Es gibt viel Interessantes zu lesen und wenn immer möglich ergänzen Filme die Informationsfülle.
BE 70 Fremde Sprachen und Kulturen
Bei diesem dritten Standbein steht ganz gezielt die Auseinandersetzung mit verschiedenen Ethnien im Zentrum. Um die Kinder in unseren Klassen besser zu verstehen, ist es unumgänglich, die Kultur der Eltern wenigstens ein bisschen zu kennen. Es ist hilfreich zu wissen, wie diese Eltern hier in der Schweiz leben und wie der Hintergrund in ihrem Herkunftsland war und ist und welche eventuellen Sorgen und Ängste sie um ihre Angehörigen in der alten Heimat haben. Das verlangt einerseits historisches und politisches Wissen und Interesse, aber auch Neugierde, das kulturelle Potential dieser Länder kennen zu lernen, sei es via Filme, Literatur oder Musik.
Auf diesen drei Säulen ruht also das Fundament “Interkulturelles an der PH”. Leider läutet dieser schönen Dreifaltigkeit mit der bevorstehenden PH-Reform schon das Totenglöcklein, obwohl dieses Themenfeld ein fast unbegrenzter Acker ist, aus dem doch noch einige Unkräuter entfernt werden können.
Beispiel Hahnenfuss:
Oft wird eine einfache Gleichung gemacht:
Bildungsfern + sozialökonomisch schwach = Migrationshintergrund.
Als Lehrperson mit Migrationshintergrund kann und will ich diese nicht einfach so stehen lassen. Das ist eine zu einfache und gefährliche Gleichung, die erstens nicht stimmt und zweitens einer einseitigen Optik entspringt und auch vielen Eltern gegenüber ziemlich beleidigend ist. Das war vielleicht (?) vor 50 Jahren noch so, aber in der Zwischenzeit hat sich die Migration gewaltig geändert. Viele der Migrantinnen bringen eine gute Ausbildung mit und es kommen nicht nur bildungsferne oder unqualifizierte Arbeitskräfte. Es kommen höchstens Menschen, deren Diplome hier nicht anerkannt werden. Hinzu kommt, dass wahrscheinlich alle Eltern, Schweizer wie Ausländer, für ihre Kinder das Beste wollen. Nur wissen Migranteneltern oft nicht, wo sie die nötigen Wegweiser erhalten.
Sicher gibt es immer wieder schwarze Schafe – das schleckt schön schweizerisch auch der Zottel nicht weg – aber das rechtfertigt die obige pauschale Gleichung noch lange nicht.
Beispiel Brennnessel:
Im Fokus des Interessens stehen naturgemäss die in den Medien allgegenwärtigen “Nichtangepassten”, also die Menschen aus dem Balkan und die Muslime. Von der Ersteren heisst es sie prügeln und pöbeln und der Islam wird vorschnell gleichgesetzt mit Antiquiertheit, Terror und einem Rollenbild zum Haarsträuben. Das alles kennen wir bis zum Abwinken aus den Medien. Wer aber kennt schon die Kandils oder das Rezept von Asure oder überhaupt was Asure ist. Oder “olé”, da kommt nicht etwa Spanien zur Sprache, vielmehr die Arabismen in der spanischen Sprache, denn dieser Ausruf ist eigentlich eine Verballhornung des Namens “Allah”.
Es ist einfach herrlich, was es alles zu entdecken gibt, sobald mehr erforscht wird als das, was die Medien vermitteln.
Damit meine ich nicht, einem allgemeinen multikulturellen Gesäusel zu Liebe auf die eigene abendländische Kultur zu verzichten. Im Gegenteil, eine andere Kultur einordnen beginnt mit dem Erkennen der eigenen. Ohne die eigenen christlichen Wurzeln zu kennen, bleibt zum Beispiel ein Besuch in einem Museum vor Renaissancebildern eingeschränkt auf das Betrachten bunt eingefärbter Bretter - was durchaus nett sein kann - aber das Kennen der Geschichten die dahinter stehen, das erst bringt die Würze.
Beispiel Ambrosia
Es ist richtig und wichtig, das Schulsystem in andern Ländern zu kennen. Aber es ist vollkommen irrelevant zu wissen, wie viele Wochenlektionen Mathematik z. B. in der heutigen Stundentafel eines Herkunftslandes vorgesehen sind. Auch ist es völlig unnötig, sich zu hinterfragen, weshalb dort so viel lernfeindlicher Frontalunterricht geboten wird. Es reicht völlig aus zur Kenntnis zu nehmen, dass Hellraumprojektoren zwar durchaus vorhanden sein können, nur nützen sie ohne Folien oder Glühbirnchen halt nicht so viel. Oder zu wissen, dass nicht überall Kopierer zur Herstellung toller Arbeitsblätter vorhanden sind oder bestenfalls Kopien ein Vermögen kosten. Der andere Unterrichtsstil hat nichts mit einem Mangel an didaktischen Fähigkeiten seitens der Lehrpersonen zu tun, sondern ist schlicht und einfach eine Folge der nicht vorhandenen Möglichkeiten.
Wenn schon solche Lektionenvergleiche interessant erscheinen, sollte doch auch der Lohn der Lehrkräfte verglichen werden. Oft müssen sie neben dem Unterrichten auch noch einen Zweitjob erledigen um über die Runden zu kommen. Derartige Informationen scheinen mir wichtiger zu sein als die Art des Unterrichts oder die Anzahl der Lektionen. In dieser Beziehung müssen wir vom hohen Ross steigen. Schlussendlich kommen Migranten- kinder hier zu uns in die Schule und haben womöglich in ihrer Heimat noch nie eine Schule von innen gesehen.
Beispiel Schnurgras und andere nicht willkommene Gäste im Garten:
Hier höre ich auf und überlasse das Unkrautjäten jeder und jedem selber, nicht ohne viel Spass dabei zu wünschen.




