Kein Kind ist illegal
Sans-Papiers-Kinder und -Jugendliche in der Schweiz
In der Schweiz leben mehrere Tausend Kinder und Jugendliche ohne Aufenthaltsbewilligung. In den 1970er und 80er Jahren waren das in erster Linie Kinder von Saisonniers. Heute sind es vor allem die Kinder von Sans-Papiers (MigrantInnen und abgewiesenen Asylsuchenden, ohne geregelten Aufenthaltsstatus) aber auch diejenigen von sich legal hier aufhaltenden ausländischen Eltern, welchen der Familiennachzug verweigert wurde. Die diversen Veränderungen des Ausländer- und Asylrechts während der letzten Jahre haben das Problem nur rechtlich verschoben, aber nicht gelöst – im Gegenteil: Das Ausländergesetz lässt es heute zu, dass Jugendliche ab 15 Jahren bis zu ein Jahr in Ausschaffungshaft genommen werden.
Seit den Kirchenbesetzungen im Jahr 2001 werden Sans-Papiers zwar ab und zu thematisiert, jedoch fast ausschliesslich als erwachsene Arbeitskräfte. Dass diese „Arbeitskräfte“ vielleicht Familien haben, wird selten erwähnt. Bis heute sind hierzulande Kinder und Jugendliche ohne Aufenthaltsbewilligung kaum ein Thema. Rechtlich gesehen sind sie inexistent, sie verbringen jedoch viele Jahre, oft ihre gesamte Kindheit in der Schweiz. Angst vor Entdeckung und Ausschaffung, soziale Isolation, Armut sowie ungewisse Zukunftsperspektiven prägen den Alltag dieser Kinder und Jugendlichen. Verfassungsmässig garantierte Rechte, und solche, denen sich die Schweiz durch die Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet hat, sind für sie nur schwer durchsetzbar.
Beispielsweise ist das Recht auf Bildung unvollständig verwirklicht: Kleine Kinder ohne gültigen Aufenthaltsstatus können oft keine Kinderkrippe besuchen, auch wenn beide Eltern arbeitstätig sind. Nach der Volksschule bleibt den Jugendlichen ohne gültigen Aufenthaltsstatus meist nur noch die Wahl zwischen Schwarzarbeit und „Nichtstun“. Sie dürfen von Gesetzes wegen ohne Arbeitsbewilligung keine Lehre antreten.
Kampagne „Kein Kind ist illegal.“
Die Kampagne „Kein Kind ist illegal.“ setzt sich für die Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, die ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz leben, ein. Ziel ist, dass Kinderrechte für alle Kinder Geltung haben – insbesondere in der Schweiz!
Deshalb fordert der Kampagne „Kein Kind ist illegal.“:
- die umfassende Umsetzung des Rechts auf Bildung, von der vorschulischen Bildung bis zur Ausbildung an einer Mittelschule und dem Absolvieren einer Lehre;
- den sofortigen Stopp der Zwangsmassnahmen gegen Minderjährige, sowie der Kriminalisierung von Minderjährigen wegen illegalen Aufenthalts;
- vereinfachte Regularisierungsmöglichkeiten für Kinder und ihre Familien;
- die absolute Respektierung der UN-Kinderrechtskonvention durch die Schweizer Behörden auch gegenüber Kindern ohne geregelten Aufenthaltsstatus.
Die Kampagne verleiht diesen Forderungen Nachdruck durch: i) Etablierung eines breiten Netzwerks, das sich für die Rechte illegalisierter Kinder einsetzt, ii) Öffentlichkeitsarbeit zur Enttabuisierung des Themas iii) Lobbyarbeit für den Zugang zur postobligatorischen Bildung.
Getragen wird die Kampagne vom „Verein für die Rechte illegalisierter Kinder“, zu dem sich die Sans-Papiers-Anlaufstellen Basel, Bern und Zürich, das Sans-Papiers-Kollektiv Genf, die Gewerkschaften Unia und vpod sowie terre des hommes schweiz, das Hilfswerk der evangelischen Kirchen (HEKS) und der Schweizerische katholische Frauenbund zusammengeschlossen haben.
Plakat-Wettbewerb
Für die Sensibilisierungsarbeit in der Öffentlichkeit ist eine Wanderausstellung mit Plakaten zur Situation von Sans-Papiers-Kindern und -Jugendlichen geplant. Dafür wird ein Wettbewerb in drei unterschiedlichen Kategorien ausgeschrieben: kunstschaffende Erwachsene; Kinder und Jugendliche; betroffene Sans-Papiers-Kinder und -Jugendliche.
Die ausgewählten Arbeiten werden im Rahmen der schweizweiten Kampagne „Kein Kind ist illegal.“ öffentlich an verschiedenen Orten in der Schweiz ausgestellt. Die Wanderausstellung wird von uns mindestens in den Städten Zürich, Bern, Basel und Genf organisiert und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zudem wird die Ausstellung buchbar sein und dadurch von uns nahe stehenden Personen und Organisationen in verschiedenen Umfeldern präsentiert werden. Einige ausgewählte Werke werden für zusätzliche Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit der Kampagne „Kein Kind ist illegal.“ verwendet (Postkarten, Internet, Presse, …).
Eine renommierte Jury wird die eingereichten Arbeiten bewerten. Die Bestplatzierten werden in der Ausstellung dementsprechend gekennzeichnet und präsentiert werden.
Die Arbeiten müssen bis am 30. Juni 2009 (Poststempel) eingereicht werden. Alle weiteren Details sind der Wettbewerbs-Ausschreibung unter www.keinkindistillegal.ch, Rubrik „Wettbewerb“, zu entnehmen.
Machen Sie mit – zum Beispiel mit Ihrer Klasse! Der Wettbewerb bietet eine gute Möglichkeit, mit Ihren SchülerInnen das Thema Sans-Papiers-Kinder und -Jugendliche in der Schweiz zu vertiefen. Zur Einführung des Themas Sans-Papiers in der Schweiz können wir seit neustem das umfassende Bildungsmedium „Bodenlos“ (Informationbroschüre, 48S., mit Material zur Unterrichtsgestaltung, inkl. zwei Kurzfilme, ideal für OberstufenschülerInnen) anbieten. Dieses kann für den Unkostenbeitrag von SFr. 10.- (inkl. Porto) bestellt werden bei: Verein für die Rechte illegalisierter Kinder, Rebgasse 1, 4058 Basel, kinder(at)sans-papiers.ch.




