Kinder begegnen Kunst
SH KUNST 08 - Die unjurierte Ausstellung für Kunstschaffende aus der Region Schaffhausen. 12. Dezember 08 - 4. Januar 2009

Der Kunstverein und die Pädagogische Hochschule Schaffhausen haben sich anlässlich der SH Kunst 08 für das Gemeinschaftsprojekt KINDER BEGEGNEN KUNST zusammengeschlossen. Aus dieser Kooperation ist ein Kinderatelier in der Ausstellung entstanden, wo sich Kinder und Jugendliche mit künstlerischen Bildsprachen und Strategien auseinandersetzen und selbst kreativ werden konnten. Geführt und begleitet wurden die Kinder von Studentinnen der PHSH.
An der Ausstellung haben rund 120 KünstlerInnen aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Fotografie, Neue Medien, Plastiken und Skulpturen ihre Arbeiten präsentiert. Um die Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder zu fördern und nicht zu überreizen, wurden aus dieser Bilderflut lediglich drei Werke für Kunstbetrachtungen ausgewählt: Bilder und Collagen der Kunstschaffenden Silvio Vanzella, Carlo Domeniconi und Joke Boonen. Bei der Auswahl war entscheidend, dass das Werk kindliche Zugriffsweisen ermöglicht, Neugier und Interesse weckt und Anknüpfungspunkte an ihre Lebenswelten bietet. Kinder sind interessiert an Produktionsweisen, Materialitäten eines Werkes wie an inhaltlichen Aspekten, die sich in spezifischer Weise mit Emotionen, Gedanken, Erinnerungen, ästhetischen Vorlieben, Sozialisationsstrukturen, Handlungsmustern, aber auch mit Wünschen, Träumen oder Fantasien verbinden lassen.
Kunstbetrachtung
Die Betrachtung eines Werkes kann auf exemplarische Weise zeigen, welche Botschaften ein Bild enthält und in welcher Beziehung es zu der uns umgebenden sichtbaren Wirklichkeit steht. Sie erweitert das historische Wissen und schult das Einfühlungsvermögen. Im Austausch mit anderen Ansichten wird Toleranz geübt und die Einsicht vermittelt, wie verschieden und vielfältig die menschliche Wahrnehmung ist.
Die Bildbetrachtungen in der Ausstellung fanden gruppenweise vor dem Original statt. Mit "Fragen an das Bild" konnte der Bedeutung des Kunstwerks nachgespürt und Substanzielles aufgenommen werden. Der Austausch und das sinnliche Wahrnehmen und Eintauchen in das Bild gab den Kindern Impulse für eigene Ideen, die sie anschliessend im Kinderatelier gestalterisch umsetzen konnten.
Kinderatelier
Das Kinderatelier war an drei Sonntagen von 12.00 - 17.00 Uhr geöffnet. Für das Arbeiten standen den Kindern Begleiterinnen, zwölf Arbeitsplätze in einem eigens für sie eingerichteten Raum und unterschiedlichste Gestaltungsmittel zur Verfügung. An jedem Sonntag kamen neue Werke, Gestaltungsmittel- und Techniken zum Einsatz. Die Kinder im Alter zwischen drei und dreizehn Jahren haben sich mit ihren individuellen Vorgehensweisen gegenseitig inspiriert. Und die Grossen haben die Kleinen unterstützt, wenn z.B. Schwierigkeiten beim Mischen von Farben oder beim Schneiden von Papier aufgetaucht sind.
Kinderwettbewerb
Alle entstandenen Arbeiten wurden ausgestellt und konnten an der Finissage am 4. Januar betrachtet werden. An diesem Tag wurden auch je drei Kinderzeichnungen in zwei Alterskategorien prämiert. Den GewinnerInnen wurde eine Urkunde verliehen und ein Paket mit verschiedensten Malmitteln und Malgründen als Preis übergeben.
Fazit
Das Projekt war ein Erfolg, auch dank dem grossen Einsatz der beteiligten Studentinnen der PHSH. Rund 80 Kinder haben das Kinderatelier besucht, einige davon sogar mehrfach. Daraus kann geschlossen werden, dass eine grosse Nachfrage nach solchen Angeboten besteht. Der Zugang zu den Künsten für alle Bevölkerungsschichten wird im neuen Kulturförderungsgesetz als zentrale Aufgabe der staatlichen Kulturförderung festgeschrieben. Bereits sind an mehreren Kunsthochschulen neue Studiengänge entstanden, die der Kunst- und Kulturvermittlung gewidmet sind.
Ausserdem werden museumspädagogische Angebote in der Schweiz immer reichhaltiger. Auch Kooperationen verschiedener Institutionen, wie bei diesem Gemeinschaftsprojekt, tragen dazu bei, mit neuen Strukturen und Modellen Kulturförderung zu leisten.
Kinderatelier-Team:
Aniko Risch (Konzept & Projektleitung)
Anna Brügel, Sirpa Chillon, Alice Marugg (Studentinnen der PHSH) und Helferinnen
Literatur:
- Uhlig B. (2005): Kunstrezeption in der Grundschule. Zu einer grundschulspezifischen Rezeptionsmethodik, Kontext Kunstpädagogik, Kopaed.
- bildÖffner (2006): Bildnerisches Gestalten, Grundlagen, Schulverlag.
Aniko Risch, 1961
Dozentin für Bildnerisches Gestalten PHSH und Künstlerin
Kunstvermittlung:
Projektwochen und Workshops für Primar- und OberstufenschülerInnen
Workshops mit der Vorkursklasse der Kunstschule Liechtenstein
Internationale Kunstprojekte mit Kindern
Vertiefungsmodul 'Erlebnis Kunst', PHSH
Kunstvermittlung an der Mode Design Schule Zürich

- Aniko Risch, 1961




