Lebenslanges Lernen
Lehrerweiterbildung als wesentliches Standbein der Pädagogischen Hochschulen
Lehrerin oder Lehrer haben einen spannenden, aber auch sehr anspruchsvollen Beruf. Sie müssen Fackeln anzünden und nicht einfach Fässer abfüllen. Die Kinder und Jugendliche werden unsere Gesellschaft von morgen prägen. Mit forschendem Lernen sollen sie auf die Herausforderung der Zukunft vorbereitet werden. Ihre Visionen und ihre Sorgen fordern uns in der Schule heraus. Bildung ist Zukunft. Und unsere Schule ist einer der wichtigsten Lebensräume, in dem sie entsteht.
Wer in der Schule tätig ist, übt einen Beruf aus, der für die Gesellschaft von grosser Bedeutung ist. Eigenständig, solidarisch, respektvoll: So sollen die Menschen in unserer demokratischen Gesellschaft handeln. Lehrpersonen haben täglich die spannende Aufgabe, die jungen Menschen in die Welt des Wissens und Denkens, in die Kultur des Ausdrucks und Dialogs einzuführen. Sie tragen da eine grosse Verantwortung. Nach der Abschlussprüfung nie wieder ein Lehrbuch anfassen? Den erlernten Beruf ohne Veränderung ein Leben lang ausüben? Angesichts des rasanten Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft ist das eine unrealistische Vorstellung. Denn Weiterbildung gewinnt in einer Zeit, in der das einmal erworbene Wissen sowohl im Beruf als auch im Privatleben wesentlich rascher als früher veraltet, zunehmend an Bedeutung. Lehrerin, Lehrer ist ein anspruchsvoller Beruf mit viel Freiraum. Als Experten für das Lernen und Lehren und ausgewiesene Fachpersonen in ihren Wissensgebieten arbeiten die Lehrpersonen teamorientiert und gestalten Schule gemeinsam mit allen am Bildungsprozess Beteiligten. Sie sind für ein gutes Klassenklima besorgt, gestalten die Entwicklung und die Lernprozesse der Kinder und Jugendlichen professionell mit und fördern ihre Schülerinnen und Schüler mit Blick auf deren Persönlichkeit.
Lehrpersonen verstehen es, sich mit den Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft angemessen zu verständigen. Sie brauchen neben einer soliden fachlichen und didaktischen Ausbildung einen weiten Horizont, sowie ein geschärftes Bewusstsein für gegenwärtige und zukünftige Probleme der Gesellschaft. Die Fähigkeit zu Selbstreflexion, Zusammenarbeit und Selbstverantwortung bildet die Voraussetzung, diese Herausforderungen zu meistern.
Eine wesentliche Grundlage dafür ist Weiterbildung. Engagierte, erfolgreiche Lehrerinnen und Lehrer bilden sich ein Leben lang weiter. In den letzten Jahren ist das Angebot an Weiterbildungen fast exponential angestiegen. Weiterbildungsmaster und Zertifikatslehrgänge sind umfassende Angebote, die nicht das Ziel haben, Lehrpersonen aus der gegenwärtigen Unterrichtstätigkeit „fort zu bilden“, also den Absprung aus dem Schulzimmer vorzubereiten. Vielmehr geht es bei diesen nach Bologna-Normen aufgebauten Weiterbildungsangeboten darum, die Wirksamkeit und Professionalität bei der Arbeit mit den anvertrauten Kindern und Jugendlichen zu verstärken. Das bedeutet höhere Lebensqualität für die Lehrenden wie für die Lernenden – ein unbezahlbares Gut, das sich bezahlt macht.
In der Schule verhält es sich genau gleich wie in der Wirtschaft: Die Dynamik der Märkte (in der Schule der Wissensmarkt) und der rasche technische Fortschritt bringen es mit sich: Das in einem Betrieb vorhandene Wissen veraltet schnell! Wer innovativ und konkurrenzfähig sein (und bleiben) will, braucht daher gut qualifizierte Mitarbeitende, die nicht nur viel wissen, sondern vor allem rasch Neues lernen und bereit sind, ihre Kenntnisse auch an die Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben und sich mit ihnen auszutauschen. Daher braucht es auch in der Schule ein eigentliches „Wissensmanagement“, d.h. eine systematische und zielgerichtete Nutzung, Weiterentwicklung und Verbreitung des im Schulhaus vorhandenen und stetig neu zu erwerbenden Wissens. Eine Schlüsselrolle hierbei können Schulleitungen übernehmen.
Die PHSH möchte mit den vielfältigen Beiträgen im Bereich Weiterbildung und Berufseinführung mithelfen, damit Lehrpersonen auf die hohen Qualifizierungsanforderungen der aktuellen Umbrüche in Wirtschaft und Gesellschaft gut vorbereitet sind. Es geht um die Vitalisierung und Gesunderhaltung der Lehrpersonen, die in unserer Gesellschaft eine entscheidende Aufgabe haben. Das Feuer in den Augen der Pädagoginnen und Pädagogen darf nicht erlischen, damit sie auch weiterhin Fackeln anzünden können.
Christian Amsler, 45, ist Prorektor Weiterbildung und Dienstleistungen an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen PHSH (www.phsh.ch)
Aktuell: Weiterbildung für Englisch an der Primarschule durch die PHSH
Welche drei Ausbildungsteile verlangte der Kanton Schaffhausen von Lehrpersonen, welche nun an der Primarstufe Englisch unterrichten?
A. Drei Wochen in Norwich in England als Assistant Teachers an englischen Primarschulen
Dort haben sie Sitten und Gebräuche einer englischen Schule kennen gelernt und sind mit dem Classroom English vertraut geworden. Daneben haben sie bei der PHSH Partnerorganisation Norwich Institute of Language Education (NILE) Sprachkurse belegt. Dann haben sie natürlich auch Ausflüge gemacht, Land und Leute kennen gelernt, sie waren bei englischen Gastfamilien untergebracht und gingen abends auch mal ins Pub.
B. Der zweite Ausbildungsteil umfasste 10 Tage Weiterbildung in Fragen der Didaktik-Methodik an der Pädagogischen Hochschule. 8 von diesen 10 Tagen fielen auf die unterrichtsfreie Zeit, also auf Samstage oder auf die Schulferien. In diesen Kursen wurde die sprachdidaktische Grundlage gelegt, auf der sie nachher aufbauen können, wenn sie Englisch unterrichten. Allgemeine Fremdsprachendidaktik und Englischdidaktik wurden ergänzt durch Lehrmitteleinblicke, Nachdenken über Fehlerkultur beim Sprachenlernen und Einbettung des Sprachenlernens in andere Fächer.
C. „Last not least“ haben alle Lehrpersonen eine Englisch-Prüfung (Sprachkompetenz) abgelegt auf dem Niveau C1 gemäss europäischem Referenzrahmen, in der Regel die Advanced-Prüfung. Das war für die meisten die höchste Hürde, die es zu überwinden galt.
Warum braucht es eigentlich Lehrerweiterbildung?
In einem Beruf, wo es dauernd ums Lernen geht, muss der Lehrende selber auch permanent Lernender sein und bleiben. Es ist selbstverständlich, dass das wichtige Attribut „education permanente“ – oder lebenslanges Lernen ganz speziell für die Fachleute des Lernens zu gelten hat.
Unser LWB Kurs Angebot für Schaffhauser Lehrpersonen mit dem eigenen Kursheft definieren wir als ein eher kürzeres Weiterbildungsangebot, das von der Zielsetzung her Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung des beruflichen Alltags bietet. Kurse vermitteln neues Wissen, neue Ideen und Impulse für den Unterricht, die die berufliche Kompetenz und den professionellen Diskurs und Erfahrungsaustausch unter Kolleginnen und Kollegen fördern.
Ein grosser Stellenwert hat im Kanton Schaffhausen auch die so genannte Berufseinführung BEF. Wie muss man sich das genau vorstellen?
Man weiss aus Erfahrung, dass bei Lehrpersonen eine enge Betreuung und Unterstützung in den ersten Berufsjahren mit entscheidend ist für den Erfolg in der Schulstube und für die Verweildauer im Beruf. Die Phase der Berufseinführung beginnt mit der Aufnahme der Berufstätigkeit an der Schaffhauser Volksschule. Sie dient der Unterstützung der beruflichen Sozialisation und dauert ein Jahr. Dabei werden die neu beginnenden Lehrpersonen Praxisgruppen (PxGr) zugeteilt, die von erfahrenen, speziell dafür ausgebildeten Lehrpersonen geleitet werden (10 PxGr Sitzungen à 3 Stunden). Ebenfalls gehören gegenseitige Unterrichtsbesuche (4 Unterrichtsbesuche) und gezielte Weiterbildungsangebote (Spezialwochen BEF) zum BEF Programm.
Machen die vieldiskutierten Hochschulreformen wie die Bologna-Deklaration bspw. mit internationalen Punktesystemen und modulartiger Ausbildungsstruktur Halt vor der Weiterbildung?
Im Gegenteil! Die interkantonale und internationale Freizügigkeit und Anrechenbarkeit von absolvierten Ausbildungs- und Weiterbildungseinheiten werden auch in der beruflichen Weiterbildung zu einem immer wichtigen Faktum. So werden auch in der Weiterbildung „European Credit Transfer System“ - Punkte (ECTS) von den Fachhochschulen und Hochschulen vergeben. Diese sind in der Regel anrechenbar bei weiteren Studien und Kursen. Weiterbildungsmaster und Zertifikatslehrgänge richten sich übrigens an Lehrpersonen aus allen Bereichen, an Aus- und Weiterbildungsverantwortliche im öffentlichen Bildungswesen und in privaten Institutionen, an Schulbehörden sowie an weitere Akteure im Bildungsbereich. Heute wird mit den folgenden Begriffen in der Weiterbildung operiert: Ein MAS ist ein Master of Advanced Studies (60 ECTS Punkte), ein DAS ein Diploma of Advanced Studies (30 ECTS Punkte) und ein CAS ist ein Certificate of Advanced Studies, das mit 15 ECTS Punkten kreditiert wird
Lehrerweiterbildung PHSH in Kürze
- Die LWB Schaffhausen bildet die über 1000 Lehrpersonen des Kantons Schaffhausen weiter. Das Angebot umfasst jährlich wechselnde LWB Kurse mit einem breiten thematischen Spektrum.
- Dazu kommen Angebote schulhausinterne Weiterbildung (SCHILW), Intensivweiterbildung (IWB) und Behördenkurse.
- Berufseinführung (BEF)
- Kurse, Weiterbildungsmodule, Nachdiplomkurse und Nachdiplomstudien für Lehrpersonen und eine breitere Öffentlichkeit.
- Spezifische Zusatzausbildung für Erweiterung der Lehrbefähigung (neue Fächer)
- Beratung für Lehrkräfte, Schulleitung, Schulteams, Mitglieder der Schulbehörden




