Mediation im (Schul-)Alltag

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Mediation - ein Konfliktlösungsverfahren

Mediation ist ein ausserbehördliches bzw. aussergerichtliches Konfliktlösungsverfahren. Die Konfliktparteien erarbeiten mit Hilfe eines unabhängigen und neutralen Mediators eigene Lösungen für ihren Konflikt. Das garantiert Nachhaltigkeit und stärkt die Parteien im Hinblick auf weiteres künftiges Zusammenwirken.

 

In der Schule arbeiten Kinder, Eltern und Lehrkräfte einerseits, anderseits auch Schulbehörden regelmässig langfristig miteinander. Zwangsläufig kommt es zu Konflikten. Den Parteien steht der ordentliche Rechtsweg offen, um von der zuständigen Rechtsmittelinstanz eine Lösung herbeizuführen. Der Rechtsweg auferlegt den Parteien für ihren Konflikt nicht mehr und nicht weniger als eine rechtliche Lösung ihres Rechtsproblems. Aus diesem Rechtsstreit geht ein Gewinner und ein Verlierer hervor, und die Parteien haben sich nach dieser obrigkeitlichen Lösung zu richten.

 

Der Konflikt als Chance

Demgegenüber geht die Mediation den Ursachen des eigentlichen, zwischenmen­schlichen Konfliktes auf den Grund. Der Mediator zeigt den Konfliktparteien ihre ureigensten Interessen in ihrer Auseinandersetzung auf. Dazu ein Beispiel: Zwei streiten sich um einen Kürbis. Hinterfragt der Mediator die Interessen der beiden Streitenden, so findet er heraus, dass der eine das Fruchtfleisch braucht, weil er Suppe kochen will und dass der andere die Schale für eine Laterne benötigt. Teilte der Streitschlichter den Kürbis, so verlören die Streitenden wertvolles Material. Die Erkenntnis ihres eigentlichen Interesses ermöglicht die Befriedigung beider Begehren. Aus einer mediativen Konfliktvermittlung gehen demnach zwei Gewinner hervor, die überdies die Lösung selber erarbeitet haben. Letzteres ist deshalb so wertvoll, weil sie von beiden Parteien voll getragen werden kann und für die Zukunft ein nachhaltiges Fundament schafft.

 

Bereit, offen an Lösungen zu arbeiten und sie zu tragen

Mediationsverfahren sind anstrengend. Sie verlangen den Parteien die Bereitschaft ab, sich über ihre Wünsche zu offenbaren, bereit zu sein, die Sicht des anderen einzunehmen und alle möglichen Lösungsoptionen durchzudenken, um so gemeinsam eine Lösung masszuschneidern. Mit seiner Verfahrensleitung und seiner Neutralität hilft der Mediator den Parteien auf dem Lösungsweg.

Das Mediationsverfahren ist damit grundlegend anders, als die obrigkeitlichen Verfahren. Letztere sind davon geprägt, dass Dritte - namentlich Rechtsanwälte und Richter - den Parteien, die im Konflikt anstehenden Rechtsfragen beantworten und damit die Lösungen vorgeben. Selbstverständlich steht das Mediationsverfahren nicht im rechtsleeren Raum. Die Kenntnis der Rechtslage ist für die Parteien auf dem Weg zu ihrer Entscheidfindung eine wichtige Grundlage. Da ein Konflikt regelmässig aber nicht allein aus Rechtsfragen besteht, vielmehr auch aus einem zwischenmen­schlichen Missverstehen, öffnen sich in der Mediation zusätzliche Lösungsoptionen. Diese gilt es zusätzlich als Lösungspotential zu nutzen.

 

Einsatzfeld Schule

Die Vorzüge der Mediation im Bereich der Schule stechen hervor:

Die pädagogische Arbeit wird erst möglich, wenn alle Beteiligten bereit sind, langfristig zusammenzuarbeiten. Damit bedient sich die Schule an und für sich schon mediativer Techniken. Geht es nun um konkrete Konfliktlösung, so zeigt die Schule Grösse, wenn sie Kindern, Eltern, Lehrkräften und Schulbehörden durch den Einsatz des Mediationsverfahrens Konfliktfähigkeit vorlebt und ihr Bemühen um ursächliche Konfliktlösung zeigt.

 

Dr. iur. Michèle Hubmann Trächsel, 1961, unterrichtet als Lehrbeauftragte Recht und Wirtschaft an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen. Sie arbeitet in Schaffhausen selbständig als Rechtsanwältin und Mediatorin SDM /SAV.