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Familien brauchen Rituale / Jugendgewalt - neue Studien und Prävention

Gute-Nacht-Geschichten und mehr? Familien brauchen Rituale

Auch Mütter und Väter, die nicht mehr an den festgelegten religiösen Formen der Kirchen interessiert sind, stellen sich Fragen nach Sinn und Spiritualität und suchen nach Formen, die ihnen entsprechen. So lassen auch Eltern ihre Kinder taufen, die nicht mehr Mitglieder einer Kirche sind. Die Antworten nach der Bedeutung sind vielfältig: Das einmalige Ritual wird unter anderem als Zeichen der Kontinuität im Lebenszyklus von Familien gesehen. Die Taufe feiert Wert und Einmaligkeit des Kindes. Hier können Dankbarkeit und Hoffnungen auf Schutz und Segen zum Ausdruck gebracht werden. Es geht also um weit mehr als die Namensgebung: Eltern wollten dem Kind etwas mitgeben.

 

Ein Festmahl, eine Tanne, Geschenke

Zum Grundszenario von Weihnachten gehört in fast allen Familien ein festliches Essen, die Feier mit Eltern und Grosseltern um den Baum, und Geschenke. Dieses stabile Szenario wird aber dauernd ergänzt und abgeändert, vor allem wenn neue Kinder dazu kommen, jemand stirbt oder durch einen Umzug oder Scheidung andere Formen nötig werden. Im Weihnachtsritual verarbeiten viele Familien negative und positive Ereignisse. Sowohl Kinder wie Eltern und Grosseltern sind an der Gestaltung beteiligt. Eine Befragung von Kindern machte deutlich, dass Rituale feste Bestandteile ihrer Lebenswelt sind. Sie tragen ihre eigenen Fragen und Gedanken dazu bei und bestimmen sie kreativ mit.

 

„I ghöre es Glöggli...“

Familien mit kleinen Kindern gestalten den Zeitraum zwischen Tag und Nacht sorgfältig. In mehr als der Hälfte der Familien wird über den Tag gesprochen und vorgelesen oder erzählt. Bei etwas mehr als einem Drittel gehören auch Gebete dazu, sei es in Versform, als selbst entwickelte Gebete oder als Lieder. Einzelne Elemente dieser Rituale gehen oft in die frühe Kindheit der Eltern zurück. Hier drücken sich Zärtlichkeit und Liebe, aber auch Halt und Geborgenheit aus. Kinder erhalten Zuwendung und erfahren, wie man mit zwiespältigen Gefühlen oder Konflikten umgehen kann.

 

Die Forschungen zeigten deutlich, dass sowohl einmalige, wie jährlich wiederkehrende oder alltägliche Familienrituale den Bedürfnissen der Kinder nach Geborgenheit und Orientierung entsprechen und sich positiv auf ihr Wohlbefinden auswirken – unabhängig davon, ob die Rituale von den Eltern als religiös bezeichnet werden oder nicht.

Die Broschüre "Rituale"  des Instituts für Praktische Theologie an der Uni Bern kann hier heruntergeladen werden.