Praktikum beim Schulfernsehen
Timeout mit Lerneffekt
Neun Wochen unterrichtsfreie Arbeitszeit – ein mySchool-Angebot

Cordula Schneckenburger tauscht ihren Alltag als Reallehrerin im Schulhaus Gelbhausgarten in Schaffhausen gegen ein Praktikum auf der Redaktion des Schulfernsehens in Zürich. Dabei schaut sie Redaktoren, Produzenten, Tontechnikern und anderen Profis über die Schulter. Sie stellt Zusatzmaterial für Schulfernsehsendungen her und lässt dabei ihre Erfahrungen aus 20 Jahren Schulalltag einfliessen.
Was arbeitest du genau auf der Redaktion Schulfernsehen? Wie sieht ein Arbeitstag samt Arbeitsweg ins TV-Studio aus?
Für den Arbeitsweg bis zur mySchool-Redaktion benötige ich ungefähr eineinhalb Stunden. Gegen acht Uhr treffe ich auf der Redaktion ein. Ich schaue mir dann beispielsweise einen Film an und beurteile nach bestimmten Kriterien, ob er sich für einen Einkauf eignet. Danach schreibe ich entweder an einem Startpaket weiter oder bearbeite Bilder für das Beobachtungsblatt. Wenn ich mit der Aufgabe nicht weiterkomme, dann hilft ein kurzes Gespräch mit den zuständigen Redaktionsmitgliedern. Ich erhalte in regelmässigen Abständen auch neue Aufgaben: Beispielsweise kontrolliere ich die Internetseite eines Beitrages oder helfe beim Erstellen des elektronischen Adventskalenders mit. Etwa um fünf Uhr am Nachmittag mache ich mich auf den Heimweg und treffe gegen halb sieben zu Hause ein.
Was gefällt dir gut an dieser Arbeit, was weniger gut?
Ich finde die Arbeit abwechslungsreich und spannend. Unbequem finde ich nur das viele Sitzen. Am liebsten schreibe ich Startpakete. Für ein Startpaket fasse ich den Film zusammen, formuliere Fragen und Antworten für das Beobachtungsblatt, denke mir Quizfragen aus oder suche nach Begriffen, die ich in ein Kreuzworträtsel umsetzen kann. Mit sechs Standbildern aus dem Film illustriere ich den Inhalt des Beitrags auf dem Beobachtungsblatt. Für das Online-Memory suche ich weitere acht Bilder oder ich wähle eines für ein Schieberspiel aus. Meine erste Fassung des Startpaketes lasse ich gegenlesen; das ist unerlässlich, wie das Salz in der Suppe. Mindestens so gerne wie ich das Startpaket schreibe, bespreche ich es, denn dann erfahre ich erst, ob meine Ideen ankommen, meine Sätze verständlich sind und was ich verbessern kann.
Du schreibst selber Beiträge über TV-Sendungen und machst Lektionenskizzen für den Unterricht, also «Rezepte» für deine Lehrerkolleginnen. Wie einfach ist es, solche Texte zu schreiben?
Die Filmbeiträge sind unterschiedlich inspirierend für mich. Manche machen mir die Arbeit leicht und die Ideen fallen mir nur so zu. Andere, wie zum Beispiel der Beitrag über die Vornamen, sind sehr persönlich und da fällt mir das «Rezepte»-Schreiben schwerer. Stellt sich dann eine Schreibblockade ein, spreche ich mit dem Redaktor. Dabei ergeben sich Ideen oder zumindest neue Sichtweisen, mit denen ich etwas anfangen kann. Manchmal finde ich aber auch einen Zugang, indem ich das Problem zuerst liegen lasse und mich einer ganz anderen Aufgabe widme, um danach einen neuen Anlauf zu nehmen.
Was hast Du über das TV-Handwerk erfahren: Begriffe, Abläufe, Schwierigkeiten?
Zuerst eine indirekte Antwort. Als Analogie wähle ich einen Touristen, der mich nach dem Weg ins Stadtzentrum fragt. Er weiss, dass er sich in Schaffhausen befindet, doch jetzt muss ich detailliert beschreiben, welche Kreisel er passieren, welche Signaltafeln er beachten und welche Abzweigungen er nehmen muss. Er ist aufgeschmissen, wenn ich ihm lediglich erkläre, er müsse in Richtung Schaffhausen fahren. Auf das Bildmaterial eines Filmes übertragen, bedeutet das, dass ich sogenannte Totale nicht aneinanderreihe. Der Film wirkt spannender, wenn ich den Totalen einige Halbtotalen oder Grossaufnahmen folgen lasse. Ich denke, dass diese Regel nicht nur für Beschreibungen oder Filme gilt, sondern auch für Gespräche. Bewege ich mich in einer Diskussion ständig an der Oberfläche und lasse mich nicht auf Details ein, so wird das für mein Gegenüber schnell langweilig und anstrengend. Für die Zuhörer eines Streitgespräches ist das mitunter sogar ärgerlich, wenn sich jemand nicht detailliert zu einem Problem äussert.
Dieses Wechselspiel von Totalen, Halbtotalen und Grossaufnahmen übertrage ich auch auf die Produktion eines Beitrages. Das Konzept für ein Projekt ist dann sozusagen die Totale. Die Details, bis das Projekt fertig ist, sind die Grossaufnahmen, die sinnvoll darauf folgen. Deshalb ist es wichtig, dass die Mitarbeiter regelmässig und offen kommunizieren, dass sie zuverlässig und genau arbeiten, sich verbindlich zeigen. Es lohnt sich, für Schnittstellen zu anderen Abteilungen genügend Zeit zu nehmen, komplizierte Abläufe zu besprechen, anstatt sie über eine Reihe von Mails klären zu wollen.
Was sind Höhepunkte gewesen während deiner Zeit im SF-Studio? Was hat dich besonders beeindruckt und überrascht?
Für mich war das ganze Praktikum ein Höhepunkt in meinem bisherigen Berufsleben. Einerseits habe ich den Schulalltag hinter mir gelassen, andererseits war meine Erfahrung aus der Schule gefragt. So musste ich meine Ideen und Vorstellungen von Unterricht während dieser Zeit nicht unter den Tisch kehren. Ein spezielles Gefühl tauchte gegen Ende des Praktikums auf, als ich meine eigenen Startpakete im Internet anschauen konnte. Das macht mich zufrieden.
Wenn du Arbeitsweise und –klima von Schule und TV-Studio vergleichst: Wo sind Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede?
Ich vergleiche die beiden Situationen gerne mit dem Sport. Wenn ich als Ausdauersportlerin unterwegs bin, so wähle ich ein Tempo, das ich über lange Zeit durchhalten kann, bis ich eine Pause einlegen muss. Arbeite ich an meinem Stehvermögen, so bin ich mit hoher Geschwindigkeit unterwegs, kann diese aber nicht lange durchhalten. Beide Trainingsformen ermüden mich, jede auf ihre Art. Im Schulalltag trainiere ich, um bei diesem Bild zu bleiben, häufig mein Stehvermögen und habe das Glück in den ausgedehnten Ferien die Energien wieder aufbauen zu können. Der Alltag auf der Redaktion entsprach für mich eher einem Dauerlauf. Das Arbeitsklima ist an beiden Orten sehr angenehm.
Zurück zum mySchool-Angebot: Welche Vorgaben muss ein TV-Beitrag erfüllen, damit du ihn in der Schule einsetzen kannst? Welche Rolle spielt das Zusatzmaterial im Internet?
Der Film muss die Welt in die Schule bringen. Die Inhalte müssen meinen Unterricht ergänzen und beleben. Sie sollen einen Sachverhalt verdeutlichen und Fragen provozieren. Dabei sind Beiträge zwischen fünf und dreissig Minuten optimal. Das Zusatzmaterial im Internet nutze ich, um meine Unterrichtsideen zu ergänzen oder vollständig zu verändern. Die SchülerInnen arbeiten in ihrem eigenen Tempo gerne mit dem E-Learning-Material.
Wie gut sind Lehrpersonen für den Einsatz von audiovisuellen Lehrmitteln geschult?
Die Lehrerweiterbildung bietet zwar seit Jahren viele Kurse an, die die Herstellung von visuellem Material, vereinzelt auch audiovisuellem Material vermitteln. Leider aber finden nur selten Kurse statt, die für den vielseitigen Einsatz von Filmen motivieren. Zwar gibt es ein Angebot in diesem Bereich aber leider kommen die Kurse häufig nicht zustande, weil die Teilnehmerzahl zu gering ist. Filme als Unterrichtsfüller und Ausklang kurz vor den Ferien einzusetzen, gehört schon lange zum Schulalltag. Mit Filmbeiträgen lässt sich aber weit mehr anstellen. Ihr Einsatz sollte so normal sein, wie der Einsatz von Arbeitsblättern, Büchern, Gruppenarbeiten, Vorträgen und dergleichen.
Was wird sich nach deinem Weiterbildungsurlaub an deinem Unterrichtsstil ändern, wenn du wieder ins Schulzimmer zurück kehrst? Wirst du zum Beispiel mehr audiovisuelle Impulse verwenden?
Das Praktikum hat mich durchaus inspiriert noch mehr audiovisuelle Impulse einzusetzen. Geplant habe ich aber noch nichts. Ich werde meinen Unterricht und andere Projekte vermehrt in den Kategorien «Totale», «Halbtotale» und «Grossaufnahme» planen.
Interessiert an einer Weiterbildung beim Schulfernsehen? Weitere Infos auf www.myschool.sf.tv Rubrik Weiterbildung




