Schulprojekte Kinderdorf Pestalozzi

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Wenn Integration zu einem Mythos wird

Lernen der Schülerinnen und Schüler. Nur positive Worte fanden Lehrkräfte in einer Studie für das schulergänzende Angebot der Stiftung. Vor allem Inhalte und Themen der Schulprojekte bezeichneten sie als sehr relevant für den Schulalltag. Die Studie zeigt auch, dass der Bedarf an Unterstützung im Interkulturellen Lernen gross ist und die Lehrkräfte mit der kulturellen Vielfalt im Klassenzimmer meist überfordert sind.

„Ausländer“ und „Schule“: Dies sind zwei Wörter, die in den Schweizer Medien überwiegend negative Schlagzeilen hervorbringen. Schnell wird die Kritik laut, dass das Bildungssystem seinen Auftrag nicht erfüllen könne und die Schule Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besser integrieren müsse. Es fehlt jedoch an Studien, die genauer differenzieren, welche Schwierigkeiten in den Klassenräumen auftreten. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi hat eine Studie in Auftrag gegeben, die diesem Defizit abhilft. Es wurden Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiterinnen und Schulleiter wie auch Schülerinnen und Schüler befragt, die die Situation selbst kennen und über genau das Detailwissen verfügen, das in medialen Darstellungen häufig fehlt. Zudem sind sie die Betroffenen, die Konflikte und Herausforderungen bewältigen müssen.

Die Studie zeigt, dass sich Lehrkräfte durch die kulturelle Vielfalt oft überfordert fühlen und fürchten, ihren Bildungsauftrag nicht mehr zufrieden stellend erfüllen zu können. Die Schulstrukturen seien den gesellschaftlichen Bedingungen nicht angepasst, interkulturelle Differenzen müssten die Lehrkräfte über die übliche schulische Belastung mit grossem persönlichem Einsatz auffangen. Dabei ist unklar, ob sie dazu  über die nötigen pädagogischen Instrumente verfügen. Interkulturelles Lernen ist zwar bereits Gegenstand der Lehrerausbildung. Die Lehrkräfte wünschen sich jedoch einerseits in der beruflichen Vorbereitung und in Weiterbildungen eine intensivere Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit. Schulergänzende Zusatzangebote, wie sie die Stiftung mit den Schulprojekten anbietet, sehen sie als wünschenswerte Lösung an. Als besonders wichtig werden Massnahmen gewichtet, die Probleme mit der kulturellen Vielfalt vermeiden helfen und Rassismus entgegen wirken.

Diese Themen sind Schwerpunkte der Schulprojekte der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Dabei orientieren sich die Fachpersonen stets an den Bedürfnissen der teilnehmenden Schulklassen und stimmen die Projekte auf sie ab. In der Umfrage bestätigten dies die teilnehmenden Lehrkräfte und werteten es als durchwegs positiv. Die Alltagsrelevanz der von der Stiftung vermittelten Inhalte wurde hierbei als Stärke besonders hervorgehoben. Ein weiterer Punkt, der heraus sticht, ist, dass die Projekte trotz der Ernsthaftigkeit der Themeninhalte mit Spass verbunden zu sein scheinen. Auch die Kompetenz der Fachpersonen der Stiftung stellt die Teilnehmenden sehr zufrieden. Den Projekten wird ein hoher pädagogischer Wert attestiert. Nicht nur die SchülerInnen profitierten von der Teilnahme an den Projekten, sondern auch die teilnehmenden Lehrkräfte. Der grösste Teil der Befragten würde wieder an den Projekten der Stiftung teilnehmen.

Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi kombiniert die Schulprojekte mit dem Medium Radio. Die Erlebnisse und Erfahrungen können damit weiter vertieft und reflektiert werden. In der Umfrage wurde diese Möglichkeit als „spannend“ und „motivierend“ beschrieben. Aufgrund seiner Aussergewöhnlichkeit und der intensiven Vorbereitung auf die Sendungen sei das Radio ein geeignetes Medium, um Erlebnisse zu verarbeiten. Die Nachhaltigkeit und auch die Weiterverbreitung, die als “Werbeeffekt“ bezeichnet wurde, waren dabei die Punkte, die am stärksten betont wurden. Die Befragten schätzen auch, dass die Radioprojekte das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler steigert. Die Tatsache, dass man durch das Medium Radio die eigene Stimme aus einer anderen Perspektive hört, wirkt sich positiv auf das Selbstvertrauen der Schüler aus.

Seit Jahrzehnten setzt sich die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi für eine Intensivierung der interkulturellen Kommunikation in der Schweiz ein. Mit pädagogischen Mitteln, die das Interkulturelle Lernen fördern, will die Stiftung die Gesellschaft sensibilisieren und interkulturellen Konflikten vorbeugen. Einerseits wird Interkulturalität von der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi als Qualität gesehen, die es zu fördern gilt. Andererseits gilt es auch mit den Schulen in einen differenzierten Dialog zu treten, der auch die Herausforderungen der Heterogenität und Diversität und die dabei entstehenden Differenzen ernst nimmt. Die Schulprojekte der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi treten somit als aktiver Partner für Schweizer Schulen auf.     

Die Ergebnisse der Studie können Sie hier herunterladen.


Angebot Schulprojekte
Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ermöglicht Schulklassen aus der Schweiz die Begegnung mit Kindern und Jugendlichen aus dem Ausland, die im Rahmen der Interkulturellen Austauschprojekte im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen weilen. Hier finden ganz direkte Begegnungen statt, in denen die Kinder und Jugendlichen lernen, sich kritisch mit ihren eigenen Werten und Verhaltensmustern auseinander zu setzen und so ihre eigene Identität und Kommunikationsfähigkeit zu stärken. Die Kombination von Schul- und Radioprojekten ermöglicht ein ganzheitliches Lernen mit nachhaltiger Wirkung. Lehrkräfte werden von Fachpersonen der Stiftung während dieses Prozesses gecoacht und mit Methoden und Instrumenten für den Schulalltag ausgerüstet.

Die im Austausch gewonnenen Erlebnisse und neuen Erfahrungen, wie auch das erarbeitete Wissen in den interaktiven Kursen (Input) können im dorfeigenen Radiostudio oder im mobilen Radiobus (Output) weiter vertieft und reflektiert werden. Die Schulprojekte werden vor allem mit deutschsprechenden Schulklassen der Mittel- und Oberstufe durchgeführt.


Interkulturelles Lernen?
Interkulturelles Lernen hat mehrere Facetten. Nicht einmal die pädagogische Literatur bedient sich einer einheitlichen Definition. Generell bezeichnet der Begriff „interkulturelles Lernen“ alles, was sich während der Begegnung und Auseinandersetzung zwischen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen abspielt. Ziel des interkulturellen Lernens ist die interkulturelle Kompetenz. Es geht darum die Fähigkeit zu erlangen, kulturelle Zusammenhänge zu erkennen, Unterschiede als gleichwertig anzuerkennen und kommunikative Ebenen zu teilen.

Mehr Informationen: www.pestalozzi.ch oder www.schulprojekte.org

Weitere Auskünfte: Heinz Wohnlich, Leiter Programme Schweiz und Bildungsprogramme der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, Telefon 071 343 73 48 oder h.wohnlich(at)pestalozzi.ch