Supervision und Coaching

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Was trägt zu guter Beratung für Schulen und Lehrpersonen bei?

Durch wertschätzendes Zuhören professionell fördern und begleiten

In Beratung und Supervision arbeiten wir in der Regel mit motivierten und erfolgreichen Lehrpersonen, die ihren Unterricht reflektieren und optimieren wollen und sich hierzu professionelle Unterstützung, zum Beispiel durch Supervision anstelle durch Weiterbildungen wünschen. Beratung und Supervision sind deshalb vor allem auch präventiv wirksam. Kleine Probleme werden rechtzeitig analysiert und mit Hilfe eigenen Lösungen bewältigt, bevor sie grösser werden. Gute Beratung und Supervision stärkt den Selbstwert des Ratsuchenden. Damit das geschieht, muss dieser in erster Linie ernst genommen und wertschätzend behandelt werden. Im Zentrum steht die Grundhaltung: der Klient ist der Experte für die eigenen Probleme. In Beratung und Supervision begegnen sich zwei kompetente Fachleute und nicht etwa Meister und Lehrling. Professionelle Supervision und Beratung zeugen letztlich von einem grossen Qualitätsbewusstsein der Betroffenen.

In der Folge geben Dr. Jenna Müllener und Ralph Leonhardt, Ausbildner von Beraterinnen und Supervisoren, einen konkreten Einblick in ihre Berufstätigkeit. 

Was für verschiedene Arten der Beratung für Schulen und Lehrpersonen gibt es? Wodurch unterscheiden sie sich?                                       

JM: Das Spektrum in der Beratung ist breit, und die Grenzen sind in der Praxis oft fliessend.

Schulpraxisberatung (Coaching) beinhaltet oft fachliche Impulse in Form von kurzen Referaten zu   wissenschaftlich erforschten Theorien, die der Schulpraxisberater mit Hilfe praktischer Beispielen aus dem Unterricht erläutern kann und allenfalls auch konkreten bewährten Ideen. Eine gute Schulpraxisberaterin verfügt deshalb über ein gründliches Fachwissen zu entsprechenden, aktuellen  Ansätze aus Pädagogik und Didaktik und bringt genügend eigene, erfolgreiche Erfahrung mit.

In der Supervision gilt der Grundsatz, dass der Klient mit Hilfe von professionell gestellten Fragen des Supervisors Schritt für Schritt eigene und deshalb auch angepasste Lösungen zu seinen Fragen oder Problemen entdeckt, diese umsetzt und dadurch sein Selbstvertrauen deutlich stärkt.

Beratung wie auch Supervision sind vor allem dann erfolgreich, wenn sich zwischen Berater und Klient via erwachsenengerechter und wertschätzenden Kommunikation ein gutes Vertrauensverhältnis bildet.

Können Sie uns ein paar praktische Beispiele aus ihrem Tätigkeitsfeld schildern?

RL: Eine Lehrperson klagt über eine ausgesprochen unmotivierte und undisziplinierte Klasse. Von der Schulleitung wird dieser Lehrperson ein Coaching (Schulpraxisberatung) von zwölf Stunden ermöglicht und bezahlt. Zuerst wird gemeinsam mit allen Beteiligten (Schulleitung, Lehrpersonen) eine gemeinsame Standortbestimmung durchgeführt und anschliessend vertraglich vereinbart, welche Ziele mit Hilfe des Coachings angestrebt und wie deren Umsetzung auch überprüft werden kann. 

Während des Beratungsprozesses muss die Lehrperson davon ausgehen können, dass der Berater über das Anvertraute Verschwiegen wahrt.

Das Coaching selbst setzt sich dann zum Beispiel folgendermassen zusammen:

- Ein erstes Gespräch mit der Lehrperson (zu den vereinbarten Zielen, ihren Erfahrungen etc.)

- Eine Sitzung, in der Grundsätze der Klassenführung erörtert und besprochen werden

- Eine Modelllektion, die vom Supervisoren gehalten und anschliessend gemeinsam analysiert wird

- Eine Sitzung, in welcher eine bestimmte Lektion mit der Lehrperson gemeinsam geplant wird

- Ein Schulbesuch mit professionellem Feedback

- Ein Schlussgespräch mit allen Beteiligten

JM: Das Team einer Schuleinheit wünscht sich Unterstützung und Entlastung in einem grösseren, gemeinsamen Projekt. Die Beraterin führt ein Erstgespräch durch, in dem einige Vertreter/-innen aus dem Team die aktuelle Situation, ihre Erfahrungen, Erwartungen und Wünsche formulieren. Im Anschluss an diese Sitzung entwirft und strukturiert die Beraterin ein Konzept und weist auf mögliche Stolpersteine hin; zum Beispiel aus ihrer Erfahrung mit anderen Teams. Zudem stellt sie geeignete Unterlagen wie praktische Literatur oder hilfreiche Formulare etc. zur Verfügung.

In einem ersten Schritt wird das Team zum Konzeptvorschlag befragt, und auf Grund der Wünsche, Anliegen und Ideen der Teammitglieder überarbeitet die Beraterin dieses entsprechend.

Anschliessend moderiert die Beraterin einen Weiterbildungshalbtag, an dem sie grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, die zur Durchführung des Projekts hilfreich sind. In der Folge trifft sich die Beraterin einige Male mit den Teamvertretern. Sie begleitet das Projekt vor allem dadurch, dass sie bei der Koordination mithilft, einige schriftliche Arbeiten übernimmt, eine Zwischenevaluation moderiert und bei Problemen oder Schwierigkeiten beratend zur Seite steht.

RL: Ein Team wünscht sich die Einführung von effizienter und effektiver Intervision im eigenen Schulhaus. Der Supervisor arbeitet während dreier Sitzungen exemplarisch mit einigen Methoden, die vom Team zu einem späteren Zeitpunkt übernommen und selbständig durchgeführt werden können.

Wer eignet sich, um Lehrpersonen zu beraten, zu schulen oder auch zu supervidieren?

JM: In erster Linie müssen Beraterinnen und Supervisoren professionell aktiv zuhören und wertschätzend kommunizieren können. Das meint, sie verfügen über ein geeignetes Methodenrepertoire in Gesprächsführung. Erfahrungsgemäss wünschen sich Schulen, aber auch einzelne Lehrpersonen, Berater oder Supervisorinnen, die darüber hinaus einen soliden Erfahrungsschatz an eigener Unterrichtspraxis mitbringen. Sie empfinden es als Erleichterung, wenn das Gegenüber weiss, wovon man spricht und sich auch entsprechend einfühlen kann. Darüber hinaus wird kompetentes und aktuelles Fachwissen sehr geschätzt. Die Beraterin soll zentrale Aspekte der Pädagogischen Theorie auf den Punkt gebracht, wertfrei und sehr praxisnah erklären können.

Braucht es denn noch mehr Berater/-innen im Bildungsbereich?

RL: Zur Zeit wird im Bildungssektor intensiv evaluiert, entwickelt, erprobt und umgesetzt. Viele Aufgaben werden an Schulleitungen und die Lehrerteams delegiert, ohne diese – aus was für Gründen auch immer – sorgfältig, umfassend und fundiert auf diese Aufgaben vorzubereiten.

Schulen sind und werden deshalb auch in Zukunft stark auf professionelle Unterstützung angewiesen sein. Gefragt sind vor allem Weiterbildungen, die sich nachhaltig auf das Handeln auswirken, Unterstützung in Konfliktsituationen und bei Überforderung und professionelle Projektleitungen und -begleitungen. Und: Glücklicherweise entscheiden sich immer mehr Schulen und Lehrpersonen auch dazu, sich unterstützen zu lassen, bevor Probleme erst auftreten.

Was in anderen Ländern und Berufszweigen schon lange Gang und Gäbe ist, nämlich dass es als professionell gilt, die eigene Arbeit mit Hilfe von Supervision von Zeit zu Zeit zu reflektieren und daraus zu lernen, wird sich im Lehrerberuf bestimmt auch noch durchsetzen ...

JM: Es mangelt vor allem an Beratern, die selber auch unterrichten, die die Anliegen von Schulen und Lehrpersonen aus der eigenen Erfahrung heraus kennen, denn dadurch wirken sie glaubwürdiger.

Zudem gelingt es ihnen erfahrungsgemäss eher, Theorie und Praxis zu verbinden, was von Lehrpersonen sehr geschätzt wird.

Ralph Leonhardt und Jenna Müllener

Beide: Master of Supervsion, Coching und Mediation

Im Team leiten sie das Pädagogische Praxis-Zentrum PPZ in Uster und führen in ihrem Institut anerkannte Ausbildungen in Supervision im Bildungswesen und/ oder Schulpraxisberatung durch.

Diese Berufstitel sind geschützt durch den schweizerischen Berufsverband ISSVS. Infos: www.ppz.ch