Umweltbildung an Schaffhauser Schulen

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Umweltbildung an den Schaffhauser Volksschulen – eine Bestandesaufnahme

Sandra Wilhelm, Christoph Müller, ZHAW

Wie präsent ist das Thema Umweltbildung in den Schulzimmern des Kantons Schaffhausen? Welche Umweltthemen werden im Unterricht behandelt? Wo liegen die Schwierigkeiten für die Lehrkräfte in Zusammenhang mit Umweltbildung?

Mit diesen und weiteren Fragestellungen setzten sich die angehenden Umweltingenieurinnen Mirjam Blunschi und Eliane Häller in ihrer Studie «Analyse des Umweltbildungsangebotes an den Volksschulen im Kanton Schaffhausen» auseinander. Die Studie erfolgte im Auftrag des WWF Schaffhausen und wurde im Rahmen einer Semesterarbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW am Zentrum Umweltbildung durchgeführt. Betreut wurde die Arbeit von lic. phil. Sandra Wilhelm und Dipl. Umweltingenieur FH Christoph Müller.

Ausgangslage
Im Jahr 2002 veröffentlichte die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK zusammen mit der Stiftung Umweltbildung Schweiz SUB das Strategiepapier «Zukunft Umwelt Bildung Schweiz». Dieses Dokument analysierte den Stand der Umweltbildung an schweizerischen Schulen auf allen Stufen und enthält eine erste gesamtschweizerische Strategie zu Umweltbildung.  Die im Bericht formulierten Zielsetzungen und Umsetzungsstrategien wurden sechs Jahre nach ihrer Publikation mit dieser Semesterarbeit für den Kanton Schaffhausen untersucht.

Methodisches Vorgehen
Für eine Befragung möglichst aller Lehrpersonen im Kanton Schaffhausen wurden 658 Fragebogen verschickt. Aus organisatorischen Gründen nahmen allerdings nur 88 Lehrpersonen aus insgesamt 28 Schulhäusern des Kantons an der schriftlichen Umfrage teil. Dies entspricht einem Rücklauf von knapp über 13%. Die Ergebnisse der Auswertungen sind in den nachfolgenden Kapiteln aufgeführt. Die zentralen Leitfragen wurden zusammen mit dem WWF Schaffhausen folgendermassen formuliert:

  • Was sind die behandelten Umweltbildungsthemen seit 2005?
  • Gibt es in den Schulhäusern Vorgaben zur Durchführung Umweltbildung? Fördern solche Vorgaben stufenübergreifende Lernziele?
  • Welche Wichtigkeit messen die Lehrkräfte der Umweltbildung zu? Beeinflusst diese Gewichtung die Anzahl durchgeführter Umweltbildungslektionen?
  • Ist diese Gewichtung davon abghängig, welche umweltbildnerischen Inhalte die Lehrpersonen in ihrer Ausbildung erfahren haben?
  • Beinflusst die Ausbildung der Lehrkraft ihre Methodenwahl?
  • Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Durchführung von Umweltbildungsunterricht?

Wichtigkeit der Umweltbildung und tatsächlich abgehaltene Lektionenanzahl
Schaffhauser Lehrkräfte erachten den Umweltbildungsauftrag im Unterricht als wichtig. 92% sehen den Umweltbildungsauftrag als wichtig bis sehr wichtig an.

Innerhalb des Schulfaches Mensch und Mitwelt werden bis zu 4 Lektionen monatlich dem Umweltbildungsunterricht gewidmet (69%). 28% wenden 4 bis 8 Lektionen auf, und nur 3% betreiben während 8 bis 12 Lektionen Umweltbildung mit ihrer Schulklasse. In den übrigen Schulfächern werden von beinahe allen Lehrpersonen weniger als 4 Lektionen für Umweltbildung aufgewendet.

Statistische Auswertungen weisen keinen Zusammenhang auf zwischen der Wichtigkeit, welche dem Umweltbildungsauftrag zugemessen wird, und der Anzahl durchgeführter Umweltbildungslektionen. Lehrpersonen, welche Umweltbildung als wichtig empfinden, wenden also nicht unbedingt mehr Lektionen dafür auf. 

Dieses Ergebnis ist schwierig zu interpretieren. Da die genauen Gründe für diesen Sachverhalt bei der schriftlichen Befragung nicht erhoben wurden, fehlt hier eine eindeutige Basis für die Interpretation. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf. Ebenfalls anzumerken ist, dass die für Umweltbildung aufgewendete Zeit keinen Rückschluss auf das tatsächlich vorhandene Engagement der Lehrperson zulässt. 

Schwierigkeiten bei der Durchführung von Umweltbildungsunterricht
Die Hauptschwierigkeiten bei der Durchführung von Umweltbildungsunterricht in Schaffhauser Volksschulen sind gemäss Angaben der befragten Personen Zeitknappheit (36%), fehlende Infrastruktur und Hilfsmittel (18%) sowie Knappheit finanzieller Mittel (17%). Die Tatsache, dass Zeitknappheit als Problem bei der Durchführung von Umweltbildungsunterricht betrachtet wird, lässt erahnen, dass viele Lehrpersonen eigentlich gerne mehr Zeit für diese Thematik zur Verfügung hätten.  

 

fileadmin/Formular-Pool/Schulblatt/2008/09_September/schwierigkeiten.pdf

Abbildung 1: Schwierigkeiten bei der Durchführung von Umweltbildungsunterricht (N=88)

An Schaffhauser Volksschulen behandelte Umweltbildungsthemen seit 2005
Das am häufigsten behandelte Umweltbildungsthema der befragten Personen ist Abfall (17%). Die Themen Wald und Wasser gehören mit 13%, respektive 15% ebenfalls zu den Spitzenreitern, welche sich klar von den übrigen Themen abgrenzen.

 

Abbildung 2: Im Kanton Schaffhausen behandelte Umweltbildungsthemen seit 2005 (N=88)

Diese Themen scheinen beliebt zu sein, da sie sehr praxisbezogen vermittelt werden können. Zudem hat insbesondere die Abfallthematik eine sehr lange Tradition im Kanton Schaffhausen, und es ist eine gute Infrastruktur vorhanden.

Fazit
Gemäss den erhaltenen Umfrageergebnissen entspricht der Stand der Umweltbildung im Kanton Schaffhausen erst teilweise den Vorstellungen der Stiftung Umweltbildung Schweiz und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK, wie sie im eingangs erwähnten Strategiepapier formuliert sind. Die Befragung ergab, dass die Mehrheit der Lehrpersonen die Bedeutung von Umweltbildungsunterricht erkannt hat und sich persönlich zum Teil stark engagiert. Abweichungen zu den angestrebten Empfehlungen gemäss «Zukunft Umwelt Bildung Schweiz» lassen sich insbesondere in den folgenden drei Bereichen feststellen:

  • Umweltbildung sollte als Unterrichtsprinzip systematisch und definitiv in den Lehrplänen verankert werden. Zur Umsetzung sollten die nötigen organisatorischen Freiräume geschaffen werden.
  • Die Sensibilisierung für Umweltanliegen sollte systematisch und auf allen Stufen in den Unterricht eingebaut werden. Umweltbildung soll erlebbar sein und einen direkten Bezug zum Leben der Lernenden haben. Die entsprechenden Gefässe sollten geschaffen werden, und für die Umsetzung sollte Hilfe bereitgestellt werden.
  • Der Zugang zu Umweltbildungsangeboten sollte besser koordiniert und auf die Bedürfnisse, Gewohnheiten und Möglichkeiten der Lehrkräfte abgestimmt werden. 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass im Kanton Schaffhausen organisatorische Neuerungen im Sinne der erwähnten Empfehlungen wünschenswert sind. Da das Interesse der Lehrkräfte in gutem Mass vorhanden scheint, versprechen sich die Studentinnen insbesondere durch entsprechende Massnahmen auf politischer Ebene eine positive Entwicklung der Umweltbildung im Kanton Schaffhausen. 

Ausblick
Potential für eine optimale Implementierung von Umweltbildung an den Schaffhauser Volksschulen wird speziell in den folgenden Bereichen gesehen:

  • Sicherstellung der Verantwortlichkeit für Umweltbildungsaktivitäten
  • Verankerung des Umweltbildungsauftrages im kantonalen Lehrplan
  • Verstärkte Einbindung der Umweltbildungsthematik in die Ausbildung von Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen, PHSH
  • Stufenübergreifende Lernzielverfolgung in der Umweltbildung
  • Fächerübergreifender Umweltbildungsunterricht
  • Anwendung geeigneter Methoden zur Vermittlung von Umweltbildung
  • Zusammenarbeit mit Organisatoren von Umweltbildungsangeboten

Kontakt

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW
Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen
Zentrum Umweltbildung

Sandra Wilhelm (sandra.wilhelm(at)zhaw.ch)
Christoph Müller (christoph.mueller(at)zhaw.ch)  
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