Was bewirkt Musik? Musik in der Grundschule

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Gedanken der Instrumentaldozentinnen und Instrumentaldozenten der PHSH

Gedanken der Instrumentaldozentinnen und Instrumentaldozenten der PHSH zu den Themen: Was bewirkt Musik? Musik in der Grundschule.

Lange Zeit sind die Hörfähigkeiten von Säuglingen, Kleinkindern und Kindern unterschätzt worden.

Säuglinge reagieren auf kleinste Unterschiede in der Tonhöhe, Lautstärke und in Sprachlauten, - sie ziehen jedoch ganz klar vertraute Klänge wie mütterliches Sprechen und Singen anderen Klangfarben (auch wenn es Mozart ist..) vor.

Musikalität ist nicht ein angeborenes Talent oder eine von der Natur gegebene Begabung, sondern gehört - wie die Sprache – zur „normalen“ Ausstattung eines jeden Menschen. Das musikalische Verhalten eines Kindes hat also vorwiegend mit den Anregungen zu tun, welche es nutzen kann.

Differenzierte Wahrnehmung im sinnlich praktischen, als auch im rein intellektuellen Sinn, führt zu der Fähigkeit, sich differenziert ausdrücken zu können.

Was kann prädestinierter sein zur Übung und Schulung differenzierter Wahrnehmung als praktizierte und gelebte Musik im Alltag, - auch im Schulalltag?

 

Die oft zitierte und überstrapazierte Aussage, dass das Musizieren die Intelligenz und diverse Sozialkompetenzen fördern kann ist zwar wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden. Musik steht aber nicht nur im Dienst von erhöhten intellektuellen und sozialen Fähigkeiten, sondern hat –und für uns in erster Linie – ihren Eigenwert, der sich im Musizieren selbst ausdrückt.

 

Beatrice Zeindler (Sologesang):

„Dass Musik die Intelligenz beflügelt und steigert ist schon oft als Beispiel herangezogen worden, um die Wichtigkeit des Musikunterrichts im Fächerkanon zu betonen. Für mich stehen andere Aspekte im Vordergrund:

Zum einen die Auswirkungen der aktiven Beschäftigung mit der Musik auf die Kommunikation. Dass feine Unterschiede und Zwischentöne in der Sprache wahrgenommen werden können und sich so die Begegnung mit dem Gesprächspartner differenzierter gestalten lässt.

Zum anderen sind für mich persönlich die emotionalen Auswirkungen von Musik höchst interessant. So denke ich, dass Musik von besonderer Nachhaltigkeit sein kann, wenn, wie im Einzelunterricht möglich, die Persönlichkeit des Schülers im Mittelpunkt steht.

 

Martha Rüfli (Klarinette):

„Das Musizieren fordert von einem Kind Fähigkeiten, die in keinem anderen Fach auch nur annähernd tangiert werden….es verlangt koordinierte Körper-/Atmungs-/Fingerabläufe und zugleich wird das Gehör stimuliert. Im Zusammenspiel kommt auch die visuelle Abstimmung mit Mitschülern und der Lehrerin dazu. Schon früh zeigt sich, dass Kinder die Anlage dazu haben, anspruchsvolle Abläufe einzustudieren. Wird diese Anlage nicht gefördert, so verkümmert sie unwiederbringlich.

Musik im Unterricht wird oft durch ihre Effizienz zu Gunsten anderer Fächer legitimiert…die selbst gemachte Musik hat aber noch viel reichhaltigere Auswirkungen: Sie erfreut die Musizierenden, macht sich im Gehirn selbständig, inspiriert die Kinder zum Singen, manchmal gar eigener Melodien. Auch ausserhalb der Schule hört man sie vor sich hin summen, pfeifen, mit Fingern tappen... Je mehr Kinder man in Schulhäusern, auf dem Schulweg, beim Weiterspinnen „ertappt“ desto stärker wird der Eindruck einer zufriedenen Jugend und das kann einen unbeschwert stimmen.“

 

Marianne Knecht (Querflöte)

„Ein weiteres Missverständnis liegt in der verbreiteten Annahme, Spass und Lernanstrengung schlössen sich gegenseitig aus. Folglich gestaltet sich Musikunterricht in unseren Grundschulen vielfach als buntes Patchwork gelegentlich unterhaltsamer, in der Regel jedoch unverbindlicher Aktivitäten, häufig auf geringstem Anspruchsniveau. Musikunterricht macht aber auf Dauer ohne sicht- und hörbaren Lernerfolg keinen Spass.

Musikunterricht kann die äusserst wertvolle Erfahrung mit sich bringen: „Anstrengung und Dranbleiben“ lohnt sich.

Ich denke also: Ja, Musik darf, soll Spass machen! Aber wir dürfen unseren Kindern – und auch unseren Studierenden an den Pädagogischen Hochschulen – in diesem Sinne auch Einiges abverlangen. Es lohnt sich!

 

Max Ruch (Akkordeon):

„Auch das „sich immer wieder in einen leistungsbereiten Zustand zu versetzen“, sowohl in der Gruppe, als auch beim Einzelnen, fördert die Konzentrationsfähigkeit und das Erleben des eigenen Lernerfolges.

Die Voraussetzung für eine musikalische Kompetenz, das differenzierte Wahrnehmen von musikalischen Parametern und das Fragen nach „gewissen Qualitätsmerkmalen“ entwickelt sich nur im aktiven Umgang mit der Musik über einen längeren Zeitabschnitt.

Barbara Plouze (Gitarre)

Selbst zu musizieren führt zu bewusstem Hören und ohne Hören kein Musizieren!

Wir können nicht mehr voraussetzen, dass Eltern mit ihren Kindern singen und musizieren!

 

 

Immer wieder geht es darum, dass Musik ausgeübt und gelebt sein will, - im Alltag, - und auch im Schulalltag. Musik entsteht, verklingt, hinterlässt einen Eindruck, ein Gefühl und kann immer wieder neu entstehen.

 

In Anbetracht der Entwicklung in Richtung Tagesstrukturen im Bildungswesen stellen sich aus Sicht von uns Instrumentallehrkräften zwei Fragen:

 

  • Die Musikalische Früherziehung ist darauf ausgerichtet, den Kindern erste Erlebnisse und Kenntnisse im Umgang mit Musik zu vermitteln. Gleichzeitig will man damit auch dem Bedürfnis nach Blockzeiten gerecht werden.
    Beide Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen ist keine leichte Aufgabe, zumal die Musik ihre Qualitäten nur entfalten kann, wenn das Zuhören mitspielt, wenn auch feine und stille Momente möglich sind und wenn das Senden und das Wahrnehmen gleichermassen zum Zuge kommen.
    Viele Kinder sammeln in der Musikalischen Früherziehung ihre ersten Erfahrungen im Umgang mit dem praktischen Musizieren und bestimmen dort für sich, (ob gerechtfertigt oder nicht), ob sie „musikalisch“ sind und ob sie je ein Instrument spielen wollen.
    Deshalb ist es für uns Instrumentallehrer wichtig, dass in der Musikalischen Früherziehung eine gute Plattform für die weitere musikalische Entwicklung der Kinder geschaffen werden kann und die ausübenden Lehrkräfte von den Eltern und dem Schulhauskollegium gut unterstützt werden und ihnen ein reichhaltiges Aus- und Weiterbildungsangebot zur Verfügung steht.


  • Mit dem Einführen der Tagesstrukturen soll ein Stück Alltags- und Familienleben von der Schule übernommen werden. Dieses „Familienleben“ müsste aber neben Betreuung, Bewegung und Ernährung auch genügend Platz für gemeinsames Musizieren beinhalten.

Wir wünschen eine schöne Weihnachtszeit

Werner Schraff (Klavier)